Geschichte und Sehenswürdigkeiten Lissabons erleben

Portugal Rundreise Lissabon

Flussreise in die Stadt des Lichtes

Lissabon wird von einem ganz besonderen Licht geflutet, welches die gesamte Atmosphäre der Stadt bestimmt. Wenn morgens der Fluss Tejo von der Sonne aus dem Dunst geschält wird, strömt das warme Licht des südlichen Himmels in Portugals Hauptstadt. Es tupft bunt gekachelte Häuser in den verschlungenen Gassen, Prachtfassaden entlang der breiten Alleen, prunküberladene Kirchen und majestätische, meist weiße Marmorpaläste, die einst finanziert wurden aus den unermesslichen Gewinnen der gerühmten portugiesischen Seefahrt. Eine Kurzreise nach Lissabon ist die ideale Verlängerung einer Douro Flusskreuzfahrt mit nicko cruises.

Lissabon, das etwas mehr als eine halbe Million Bewohner zählt, hat sich über sieben Anhöhen ausgebreitet. Die historischen Straßenbahnen rattern den Burgberg hinauf. An den Fluss schmiegen sich die Wohnviertel der kleinen Leute, erfüllt vom Gewirr südländischen Lebens. Man kann entlang der Flusspromenade Ribeiras das Naus zum prachtvollen Eingangstor der Stadt, der Praca do Comércio, schlendern. Bei guter Kondition lohnt sich der Fußmarsch hinauf zur Festung, dem Castelo de Sao Jorge mit dem beliebten Aussichtspunkt Portas do Sol. Leichter ist es, mit der gelben Straßenbahn 28 hinauf zu schaukeln und dabei zu sehen, wie die Mündung des Tejo immer breiter wird, überspannt von der futuristischen Vasco- da-Gama-Brücke. Wie auch immer man sich fortbewegt, es geschieht im Glanz des Lichtes, von dem Vielgereiste sagen, dass es das nur hier gebe.

Die Innenstadt im Schachbrettmuster

Lissabon ist die Stadt des Lichts. Das war es schon vor dem größten Erdbeben Europas, das am 1. November 1755 um neun Uhr morgens die Stadt heimsuchte. Heftige Erdstöße legten mehr als die Hälfte der Stadt in Schutt und Asche. Über 20 Kirchen stürzten ein und begruben Gläubige unter sich, die sich an Allerheiligen dort versammelt hatten. Eine Feuerwalze fegte durch die dicht besiedelte Stadt, bald darauf rollten Flutwellen an. Es starben über 15.000 Menschen.

In Europas Zeitungen wurde reflektiert, ob das Erdbeben eine göttliche Strafe sei, denn Portugal überzog seine Kolonien in Afrika und Lateinamerika mit Gewalt und Inquisition. Der französische Philosoph Voltaire schrieb ein Gedicht über die Bosheit des Menschen, Goethe und andere Denker nahmen die Naturkatastrophe zum Anlass, sich über das Wesen der Natur zu äußern. Noch heute erinnert bei einem Rundgang durch Lissabon vieles an das große Erdbeben.

Das rasterförmige Straßennetz der Baixa (Unterstadt), welches an ein Schachbrett erinnert, entstand unmittelbar nach dem Beben. Sebastiao José de Carvalho e Melo, Erster Minister von José I., hatte sich das Konzept ausgedacht. Bei weiteren Katastrophen sollte die Wucht des Ereignisses Fluchtwege offenhalten. Es gab nie wieder ein Erdbeben dieser Stärke in Lissabon, aber der vom König zum Marquês de Pombal geadelte Minister hatte die Ordnung wiederhergestellt und Menschen Mut gegeben. „Begrabt die Toten, und gebt den Lebenden zu essen“, befahl er am Tag nach dem Schock.

Flussreise in die Stadt des Lichtes

Die Baixa entstand auf den Ruinen als vollkommen neues Zentrum. Die Straßenzüge zwischen Praca do Cemércio am Tejo und dem Hauptplatz Rossio im Schachbrettmuster waren stilbestimmend für Lissabon. Die klassizistischen Gebäude überragt der Triumphbogen (Arco Triunfal) als Symbol des Überlebenswillens. Er ist seit 2013 mit einem Aufzug befahrbar, von oben eröffnet sich eine Sicht auf Stadt und Fluss. Die geometrische Anlage ist unverändert, das Einkaufs- und Geschäftsviertel lädt zum Flanieren ein, mit Theatern und Cafés, die bis in die Nacht hinein ihre Türen offenhalten. Sie ist ein Musterbeispiel durchdachter Stadtplanung, in ganz Europa nachgeahmt.

Die Fußgängerzone der Rua das Portas de Santo Antao beginnt an einem Tor aus dem 15. Jahrhundert. Besucher passieren einen langgestreckten neomaurischen Hof, den Patio Casa de Alentejo mit seinem gediegenen Ambiente, das Museum im Haus der Geographischen Gesellschaft (Museu da Sociedade de Geografia) mit der umfangreichen Sammlung zusammengeraffter Kunstgegenstände aus Portugals einstigen Kolonien und das Nationaltheater Dona Maria II. Die Straße führt zur Praca da Figueira, angelegt als zentraler Marktplatz. Der Rossio ist der mondänere Platz mit seinen Bars und Pastellarias. Hier trifft sich das schicke Lissabon.

Von ursprünglicher Atmosphäre durchdrungen

Malerisch ist die Alfama mit ihren steilen Gassen und Straßen, heute ein schlichtes Wohnviertel, früher die gefragteste Lissabonner Adresse. Die Mauren bauten im Mittelalter um die befestigte Burg herum ihre eigene Siedlung mit dem Gassengewirr im Stil einer Kasbah (Zitadelle). Später wurde es den Wohlhabenden zu eng, sie zogen in andere Stadtteile. Die Alfama galt als Schmuddelecke, hat aber trotz aller Schäbigkeit viel Patina und einige auffällige Gebäude. Heute lockt es mit hippen Geschäften und Bars, junge Leute und Einheimische haben hier ihre Treffpunkte, das ausgelassene Nachtleben ist berühmt-berüchtigt.

Von den restaurierten Wallanlagen des Castelo de Sao Jorge aus, dem einstigen Königssitz, hat man einen grandiosen Rundumblick. Westlich der Alfama erheben sich die mächtigen Doppeltürme der Kathedrale, an der seit der Epoche der Romanik Jahrhunderte lang gebaut wurde. Wegen der vielen Treppen empfiehlt sich, den Rundgang in der Burg zu beginnen und langsam in konzentrischen Kreisen durchs Viertel hinabzugehen. Das Bairro Alto (Oberstadt) aus dem 16. Jahrhundert erstreckt sich auf einem Hügel. Es war einst das Viertel der Oberschicht, bis es im 19. Jahrhundert verfiel.

Die Gegend um den Platz Praca Luis de Camoes, Chiado genannt und emsig restauriert, erzählt noch vom alten Lissabon. Hier reihen sich elegante Läden und Cafés in alter Eleganz und mit viel Fliesenschmuck. Die Dichte von Bars und Restaurants ist enorm, das Café A Brasileira mit seinen vergoldeten Zierspiegeln war lange Kreuzungspunkt von Künstlern, das altehrwürdige Restaurant Tavares Rico ist mit viel Stuck ebenfalls sehenswert. Das Viertel ist trotz seiner Sanierung durchdrungen von der ursprünglichen Atmosphäre.

Volles Programm für Kunstinteressierte

Für Kunstinteressierte ist das Kunstmuseum Museu Nacional de Arte Antiga ein Großerlebnis. Hier sind verschiedene Sammlungen zusammengeführt, darunter Portugals größte Gemäldesammlung. Sie enthält vor allem frühe religiöse Werke portugiesischer Künstler. Die meisten Exponate stammen aus Klöstern, nachdem die Orden 1834 aufgelöst worden waren. Neben Malerei gibt es Skulpturen, Silberarbeiten, Porzellan und Exponate vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Sie werden ergänzt durch eine Reihe europäischer und orientalischer Werke. Zu erkennen sind die Verbindungen der einstigen Seemacht zu Brasilien, Indien, China und afrikanischen Regionen.

Portugal war das Land, das in der Zeit der Aufklärung die Weltkarte erweiterte. Geschichtsinteressierte können im Stadtviertel Belém, an der Mündung des Tejo, die Karavellen imaginieren, die Schiffe, mit denen die Seefahrer auf Entdeckungsreise gingen. Belém ist untrennbar mit Portugals Goldenem Zeitalter verbunden. Es begann 1495 mit der Thronbesteigung Manuels II. und bescherte dem Land riesigen Reichtum, der sich vor allem in der üppigen, teilweise exotisch anmutenden Architektur manifestierte. Belém zeigt sich heute als weitläufig angelegter Stadtteil mit Museen in Palästen, Parks, dem Botanischen Garten und einer beliebten Uferpromenade.

Vom Hieronimytenkloster (Monasteiro dos Jerónimos) schauten einst Mönche den Schiffen hinterher, die nach Übersee aufbrachen. Das Kloster ist eine Apotheose manuelinischer Architektur, finanziert wurde der Bau vom „Pfeffergeld“, der Steuer auf Gewürze, Edelsteine und Gold. Der Gang durch das musealisierte Kloster führt durch eine Welt, in der mit Vasco da Gama – der aufgrund seiner Verdienste zum Vizekönig von Indien (Goa) ernannt worden war – und anderen Weltentdeckern Portugal eine Großmacht war. Die moderne Großstadt präsentiert das Oceanário de Lisboa, Europas zweitgrößtes Aquarium mit riesigen Mantarochen, Haien, künstlichen Gletschern mit Pinguinen und anderen Ökosystemen. Dazu den Pavilhao Atlântico, der muschelförmigen Multifunktionshalle, in der Konzerte stattfinden.

Der Grundton der Stadt

Wenn es um Fado geht – ausgesprochen: Fadu – verstehen Portugiesen keinen Spaß. Dieser Gesang ist der Grundton der Stadt. Fado ist portugiesisches Nationalgut, ein kultureller Schatz am südwestlichsten Rand des Kontinents, eine Facette Europas. Er ist gleichzeitig Rückblick auf die wechselvolle Geschichte des Landes und Selbstvergewisserung. Fado ist für Portugiesen ein Heiligtum. Wer es nicht ernst nimmt, wenn die ersten zupfenden Klänge der portugiesischen Gitarre zu hören sind, mit dem Besteck klappert oder laut mit dem Stuhl rückt, sobald eine Sängerin oder ein Sänger anhebt, begeht ein Sakrileg. Fado ist ein Gemeinschaftserlebnis, es gibt keine Stars. Alle Portugiesen sind Fadistas und sogar ihre Besucher können es werden, wenn sie mitgehen, mitsummen, sich wiegen dabei und auf der Zielgeraden eines Liedes klatschen. Die Lieder handeln von Sorge, Traurigkeit, unerfüllter Liebe und dem einzigartigen Lebensgefühl der Portugiesen, der Saudade, dem Gemisch aus Melancholie, Nostalgie und Sehnsucht.

Die Saudade hat die Seefahrer, die fremde Länder entdeckten und Schätze von dort brachten, begleitet. Die aber auch als Verlierer in den Lissabonner Hafen zurückkehrten, gedemütigt als Seefahrernation von anderen seefahrenden Mächten, mit verlorenen Kolonien und versiegten Einnahmequellen in Übersee. Beim Fado geht es um das Verlorene jeder Art. Wo das Land endet und das Meer beginnt, sang einst ein Dichter, dort liegt Portugal. Die Zeile stammt aus einem Fado-Lied, die Schwermut ist seine Grundierung. Der Fado-Experte Rui Vieira Nery brachte das so auf den Punkt: „Fado ist das portugiesische Volk, in Töne gesetzt.“ Fado heißt Schicksal. Seit 2011 gehört die Musik zum Weltkulturerbe der Menschheit. Das wohl berühmteste Fado-Lokal ist der „Clube de Fado“ im Baixa-Viertel (Rua Sao Joao da Praca 86-94). Empfehlenswert sind auch „Senhor Vinho“ (Rua Meio à Lapa 18) und „Vossemecê“ (Rua Santo Antonio da Se 18). Die Fado-Verlockungen an den steilen Gassen und Straßen von Alfama hingegen sind nicht durchweg authentisch, da sie auf Touristen abgestellt sind. Beim Fado wird ehrfürchtig geschwiegen. Der Knigge fordert, dass dann Messer und Gabel ruhen und die Zuhörer nach dem Einsetzen des metallischen Timbres der Gitarre, getragen vom Rhythmus der Viola baixa, der Bassgitarre, bei den Percussion-Tönen und arabischen Harmonien sowie bei der rauh-kehlig gesungenen Alltagspoesie konzentriert sind. Nach und zwischen den Sängern stehen Personen aus dem Publikum auf, um zu singen. Es sind einfache Texte, aber auch Gedichte des Nationaldichters Luís de Camoes, des Literatur- Nobelpreisträgers José Saramago oder der populären Schriftstellerin Lídia Jorge.

Im Fado-Museum (Largo do Chafariz de Dentro 1) in Alfama wird der Musikstil in seiner Entwicklung dargestellt. Um 1830 war er in Spelunken zu hören, oft von Frauen in völliger stimmlicher und emotionaler Verausgabung. Weil die Musik so schmerzvoll schön ist, eroberte sie die bürgerlichen Salons. Ein junger Graf namens Dom Francisco verliebte sich in die Sängerin und Gitarristin Maria Severa, die er in seinen Palast holte. Lange währte die Liebe nicht, der Schnösel verstieß die Schöne, die mit 26 Jahren starb. Heute wird sie verehrt wie eine Heilige, der Gründungsmythos wird gehätschelt und Portugiesen beiderlei Geschlechts, die eine Liebe verloren haben, erinnern sich an Maria Severa. Der Fado ist ein Ereignis in der Stadt des Lichts.