Heidelberg

„Alt Heidelberg, du Feine…“ Wie wohl keine andere Stadt in Deutschland wird Heidelberg (150.000 Einwohner) mit dem Begriff „Romantik“ verknüpft. Kein Wunder, drängen sich täglich Scharen von Touristen aus aller Welt, besonders aus den USA, Japan und anderen Ländern des Fernen Ostens, in den stimmungsvollen Altstadtgassen mit ihren Läden und Galerien, Cafés, Restaurants und Studentenkneipen.Zum höchst lebendigen Flair der altehrwürdigen Multi-Kulti-Stadt tragen vor allem die 25.0000 Studenten bei, die ebenso allgegenwärtig sind wie die Touristen.

Die Besiedlung der Region um Heidelberg reicht zurück in fernste Urzeiten, denn hier fand man 1907 in einer Sandgrube den Unterkiefer des „Homo erectus Heidelbergensis“, der vor 600.000 Jahren gelebt haben soll. Im 5. Jahrhundert v. Chr. siedelten Kelten, die Römer waren von 80 bis 260 n. Ch. in der Region. 1156 wurde Barbarossas Halbbruder Konrad von Staufen Pfalzgraf, im 13. Jahrhundert entstanden die erste Burg und die erste Brücke über den Neckar. 1356 erhielten die Pfalzgrafen Kurfürstenwürde und gründeten 1386 die älteste Universität im heutigen Deutschland.

Flussreisen nach Heidelberg

Nachdem 1685 der letzte Kurfürst der in Heidelberger residierenden Pfalz-Linie ausgestorben war, erhob Frankreichs „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. Ansprüche auf das Gebiet und führte den Pfälzischen Erbfolgekrieg, in dessen Verlauf Heidelberg 1688/89 von französischen Truppen besetzt wurde. Sie zerstörten Teile von Schloss und Stadt. 1693 kamen die Franzosen erneut, sprengten die Reste des Schlosses und brannten die Stadt einschließlich der Heiliggeistkirche nieder.

Unter Kurfürst Karl Theodor (1742-1799) und seinen Nachfolgern erlebte Heidelberg eine neue wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Die lebensfrohe kurpfälzische Residenz zog wie ein Magnet Europas Dichter und Denker an. Goethe war acht Mal in der Stadt, Hölderlin ließ sich zu seiner Heidelberg-Ode hinreißen, und Victor von Scheffel schwärmte von „Alt Heidelberg, du Feine“. Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano und Achim von Armin wurden von der unvergleichlichen Atmosphäre ebenso inspiriert wie Jean Paul oder Gottfried Keller, und aus ferneren Gefilden zog es Mark Twain und Victor Hugo an den Neckar.

Im Reichsdeputationshaupt schluss 1803 fiel Heidelberg mit der Kurpfalz an das Großherzogtum Baden. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Stadt fast ohne Schäden. Hauptanziehungspunkt ist natürlich das Schloss über der Stadt, genauer gesagt die Schlossruine, die über den Dächern der Altstadt thront. Höchst fotogen hebt sich der rote Sandstein des Gemäuers vom dunklen Grün des aufsteigenden Odenwaldes ab. Wer nicht zum Schloss aufsteigen möchte, kann bequem mit der Standseilbahn hinauffahren.

Durch einen Torbogen kommt man in den Innenhof mit den wichtigsten Gebäuden des Schlosses. Zu den ältesten Bauteilen gehören der Ruprechtsbau, der Bibliotheksbau und der Frauenzimmerbau. Der erste deutsche Renaissance-Palast, der selbst noch als Ruine beeindruckend schöne Ottheinrichsbau, wurde 1559 vollendet. Im restaurierten Untergeschoss hat das Deutsche Apothekenmuseum sein Domizil. 1607 folgte der in Spätrenaissance erbaute Friedrichsbau, der schon erste Anklänge der barocken Bauepoche erkennen lässt. Im Keller des Friedrichsbaus befindet sich das berühmte Große Fass. Tatsächlich handelt es sich um zwei Fässer mit 220.000 und 125.000 Liter Fassungsvermögen. Hüter der Fässer soll der Legende nach der trinkfeste Zwerg Perkeo gewesen sein, der mit einer Statue im Keller verewigt ist.

Den eindrucksvollsten Blick auf die unmittelbar zu Füßen liegende Stadt, den Neckar und den gegenüber liegenden Philosophenweg bietet die Aussichtsterrasse des Großen Altans. Die romantische Schlossruine bildet im Sommer die stimmungsvolle Kulisse für die Heidelberger Schlossfestspiele, die mit Schauspiel, Musical und Konzerten über die Bühne gehen. Außer im Schloss drängen sich die Besucher in der fast 2 km langen Hauptstraße, die komplett als Fußgängermeile zum Bummeln einlädt.

Am Universitätsplatz beeindrucken das barocke Kurpfälzische Museum und die Alte Universität.Der historische Studentenkarzer dahinter diente über 200 Jahre lang bis 1914 als Gefängnis für „liederliche“ Studiosi, die sich an Wänden und Decken mit Graffiti, originellen Sprüchen, Reimen und Namen verewigten. Im oberen Teil der Hauptstraße erhebt sich die gotische Heiliggeistkirche mit ihrem gewellten Turmhelm, 1398 begonnen und 1483 vollendet. Hier befand sich eine der damals besten Büchersammlungen der Welt, die berühmte „Bibliotheca Palatina“, die nach der Eroberung Heidelbergs im Dreißigjährigen Krieg zusammen mit der kurfürstlichen Privatbücherei nach Rom transportiert wurde.

Dort befindet sich der größte Teil noch heute in der Bibliothek des Vatikans. Das 1592 erbaute Haus zum Ritter gegenüber der Kirche überstand als einziges Bürgerhaus die Zerstörung der Stadt durch die Franzosen sowohl 1689 als auch 1693. Die prächtige Fassade zählt zu den Höhepunkten der Renaissance in ganz Deutschland. An die Kirche schließt sich der Marktplatz mit dem ab 1710 in mehreren Abschnitten erbauten barocken Rathaus an. Dahinter öffnet sich der von einer barocken Madonna geprägte Kornmarkt unmittelbar unter dem Schloss.

Die Bergbahn führt von hier aus in wenigen Minuten zum Schloss und weiter zum Königsstuhl hoch über der Stadt. Prägend für das Stadtbild ist auch die 1788 an der Stelle einer mittelalterlichen Holzbrücke erbaute steinerne Alte Brücke (heute Karl-Theodor-Brücke), auf der Stadtseite mit markanten weiß-roten Tortürmen. Dort hält der bronzene Brücken-Affe den Menschen einen Spiegel vor – ein beliebtes Fotomotiv. Den schönsten Blick auf Brücke, Altstadt und Schloss genießt man von der gegenüberliegenden Neckarseite – am besten vom sogenannten Philosophenweg, der sich zwischen mediterraner Vegetation am Sonnenhang des Heiligenberges entlang zieht.

Das etwa 10 km westlich von Heidelberg gelegene Schloss Schwetzingen gehörte ebenfalls zur Kurpfalz. Im Dreißigjährigen Krieg und nochmals im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört, wurde es im 18. Jahrhundert als Sommerresidenz der Kurfürsten in prächtigem Barock neu erbaut und kostbar ausgestattet. Aus dem Rokoko-Hoftheater von 1752 wird die Klassik-Musikreihe „Schwetzinger Festspiele“ in die ganze Welt übertragen. Berühmt ist der Schlosspark mit französischem und englischem Garten, der geschmückt mit zahlreichen Brunnen, Figuren und Tempeln als eine der schönsten europäischen Parkanlagen gilt.

Um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten, nutzen wir Cookies und weitere anonyme Webanalysetechniken. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie dem zu. Mehr erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.