Die Burgen am Mittelrhein

Zwischen Bingen und Koblenz hat der Rhein auf 70 km Länge sein enges, schlingenreiches Durchbruchstal durch das Rheinische Schiefergebirge geschaffen. An diesem schönsten Abschnitt des Flusses liegen an den Steilhängen und auf den Höhen, oft in Sichtweite voneinander, über 60 Schlösser, Burgen und Ruinen.

Nicht ohne Grund wurde dieser Abschnitt von der UNESCO als „Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal“ in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Die meisten Höhenburgen entstanden im Mittelalter im 11. und 12. Jahrhundert, einige waren Raubritternester und wurden deshalb im 13. Jahrhundert vom Deutschen Städtebund oder von Fürstentümern zerstört, viele später wieder aufgebaut.

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So mancher Burgherr kam dann durch die Zolleinnahmen aus der Rheinschifffahrt zu Wohlstand. Doch im 17. Jahrhundert trat die große Katastrophe des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688/1689) ein, als der französische König Ludwig XIV. wegen Streitigkeiten um das Erbe des Pfälzer Kurfürsten Karl II. weite Landstriche verwüsten ließ. Die französischen Truppen brandschatzten systematisch Dörfer, Städte, Kirchen und Burgen in der Pfalz, in Württemberg und am Mittelrhein. Hier gingen alle Burgen auf der linken und sogar einige auf der rechten Seite in Flammen auf. Lediglich die zur Festung ausgebaute Burg Rheinfels konnte sich halten.

So sehr man heute von der Burgenromantik schwärmen mag – die Vergangenheit war weniger romantisch. Hier eine Übersicht über die wichtigsten, vom Fluss aus sichtbaren Zeugen aus alten Zeiten flussabwärts zwischen Bingen und Koblenz: Am Beginn des engen Durchbruchstals liegt auf einer Rheininsel der Mäuseturm, ein Wach- und Signalturm aus dem 14. Jahrhundert. Auf der rechten Rheinseite erhebt sich auf steilen Felsen die noch immer ansehnliche Ruine Ehrenfels aus dem 13. Jahrhundert, 1689 von den Franzosen zerstört.

Links folgt Burg Rheinstein aus dem 14. Jahrhundert mit mehreren Türmen, im 19. Jahrhundert neugotisch umgebaut und heute „Romantik-Schloss“ mit Burgmuseum. Ganz nah auf einem Felsenvorsprung Burg Reichenstein, eine Raubritterburg aus dem 11. Jahrhundert, mehrfach zerstört und wieder aufgebaut, heute ein Schlosshotel. Auch Burg Sooneck aus dem 13. Jahrhundert, ebenfalls auf der linken Rheinseite, wurde 1689 zerstört. Im 19. Jahrhundert kaufte der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. die Burg und baute sie als romantisches „Märchenschloss“ wieder auf. Es folgt die Heimburg aus dem 14. Jahrhundert, nach langem Verfall im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut und heute in Privatbesitz.

Ruine Fürstenberg bei Rheindiebach mit Bergfried und mächtiger Schildmauer wurde 1219 durch den Erzbischof von Köln zum Schutz seines Besitzes errichtet und im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört. Auf der rechten Rheinseite folgt nun über der Stadt Lorch Ruine Nollig, von der nur einige Umfassungsmauern und Reste des Bergfrieds zu sehen sind. Bacharach auf der linken Seite beeindruckt durch seine gut erhaltene Stadtbefestigung. Darüber erhebt sich Burg Stahleck aus dem 12. Jahrhundert, vor der Zerstörung 1689 Sitz der Pfalzgrafen. Sie wurde 1925-1927 auf den alten Grundmauern als romantische Jugendherberge neu erbaut. Besonders eindrucksvoll der mächtige Rundturm. Im Hintergrund von Burg Stahleck sind von Ruine Stahlberg noch mehrere Mauern, der Bergfried und ein Wohnturm erhalten.

Der nächste Höhepunkt liegt mitten im Fluss: der befestigte, jüngst renovierte Pfalzgrafenstein, meist Pfalz bei Kaub genannt. Sie wurde im 14. Jahrhundert auf einem Felsenriff erbaut und mit einer 12 Meter hohen Ringmauer in Form eines Schiffsrumpfes umgeben. Aus dem Innenhof ragt der markante Fünfeckturm. Gut zu erkennen sind auch Geschützöffnungen sowie Ausguck-Erker.

100 Meter über Kaub erhebt sich auf der rechten Flussseite Burg Gutenfels, aus dem 13. Jahrhundert mit gut erhaltenem, 35 Meter hohem Bergfried, Palas und weiteren Gebäuden. Die Burg war bis 2006 Schlosshotel und ist seitdem in Privatbesitz. Eine Stadtbefestigung mit 18 Wehrtürmen schützte einst Oberwesel auf der linken Seite, gekrönt von der Schönburg aus dem 12. Jahrhundert, die bis zum 14. Jahrhundert zu einer geräumigen Familienburg ausgebaut und 1689 wie viele andere zerstört wurde. Nach dem teilweisen Wiederaufbau im 19. und 20. Jahrhundert ist sie heute Burghotel und Jugendbegegnungsstätte. Außerdem beherbergt sie ein Museum zum Thema Burgenbau.

Markanteste Stelle an dieser Strecke ist die Loreley, ein schroff vorspringender Felsen, um den der Fluss eine enge Kurve beschreibt. Es folgt nun auf der rechten Rheinseite oberhalb von St. Goarshausen Burg Katz. Sie wurde im 14. Jahrhundert von den Grafen von Katzenelnbogen erbaut und gehörte später den Landgrafen von Hessen. Napoleon ließ sie 1806 sprengen. Im 19. Jahrhundert entstand die Burg im romantisierenden Zeitgeschmack neu und befindet sich heute in Privatbesitz.

In Sichtweite davon Burg Maus aus dem 14. Jahrhundert. Sie erhielt ihren Namen wegen der Nähe zu Burg Katz. Auch diese Burg fiel 1806 der Politik Napoleons zum Opfer, wurde jedoch 1900-1906 wieder aufgebaut und kann besichtigt werden. Über St. Goar links des Rheins wurde Burg Rheinfels aus dem 14. Jahrhundert, ebenfalls ein Zeugnis der Burgenbaukunst der Grafen von Katzenelnbogen und später zur mächtigen Festung ausgebaut. Sie hielt im Pfälzischen Erbfolgekrieg als einzige dem starken französischen Heer stand, wurde ein Jahrhundert später während der französischen Revolution 1797 aber doch gesprengt. 1843 kaufte der Prinz von Preußen diese größte Burgruine am Rhein, durch die sich ein Gewirr an Wehr- und unterirdischen Minengängen, Mauern, Türmen und Gebäuderesten zieht. Ein ausgedehntes Burgmuseum informiert über ihre bewegte Geschichte. Außerdem befindet sich auf Burg Rheinfels ein Schlosshotel.

Rechts des Flusses erheben sich nun die „feindlichen Brüder“, die nur 200 Meter voneinander entfernten Ruinen Liebenstein und Sterrenberg. Beide stammen aus dem 13. Jahrhundert und verfielen ab dem 15. Jahrhundert. Die Sage von den feindlichen Brüdern geht darauf zurück, dass sich die ursprünglich zusammengehörenden Burgfamilien getrennt haben. Sterrenberg kam zu Trier und wurde gegen die Nachbarburg Liebenstein, die in Besitz der Erbenfamilien geblieben war, stark befestigt. Burg Liebenstein ist heute Hotel und Restaurant.

Ebenfalls auf der östlichen Rheinseite folgt über der teilweise ummauerten Stadt Braubach auf einem bewaldeten Bergkegel die Marksburg, die als einzige am Mittelrhein nie zerstört wurde. Auch sie stammt aus dem 12. Jahrhundert, war lange Zeit Besitz der mächtigen Reichsgrafen von Katzenelnbogen und dann der Landgrafen von Hessen. Später kam sie zu Nassau und fiel danach an Preußen. Seit 1900 ist sie im Besitz der Deutschen Burgenvereinigung. Die imposante Festung mit Bauten hauptsächlich aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, mit Bergfried, mehreren Gebäuden, Zwingern und Bastionen sowie Burgküche, Rittersaal, Kemenate, Rüstkammer und Weinkeller beeindruckt als vollständig erhaltene mittelalterliche Wehranlage die vielen Besucher.

Wo von rechts die Lahn einmündet, befinden sich auf beiden Rheinseiten Burgen. Über der Lahnmündung Burg Lahneck aus dem 13. Jahrhundert. 1689 von den Franzosen zerstört, wurde sie im 19. Jahrhundert neugotisch wieder aufgebaut. Gegenüber auf der linken Rheinseite beeindruckt das zinnengekrönte Schloss Stolzenfels. Es wurde als Burg im 13. Jahrhundert vom Trierer Erzbischof erbaut und blieb nach der Zerstörung 1689 lange Zeit Ruine und Steinbruch. Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen erhielt das Gemäuer 1823 als Geschenk und ließ die Ruine vom berühmten Baumeister Schinkel im spätgotisch-englischen Stil neu erbauen. Stolzenfels gehört mit seinen fünf Schlossgärten und prunkvoller Ausstattung zu den Höhepunkten der preußischen Rheinromantik des 19. Jahrhunderts. Es folgt nun Koblenz mit der Festung Ehrenbreitstein, bevor der Rhein in einem breiteren, aber immer noch von Höhenzügen flankierten Tal weiter nach Norden strömt.