Goldenes Myanmar

Wo Buddha wohnt

Flussreise in eine andere Zeit: In Myanmar, dem früheren Burma, gab es eine Hochkultur, die bis heute fasziniert. Im Dhammayangyi-Tempel in der historischen Königsstadt Bagan sitzen zwei Buddhas nebeneinander.

Gautama, der schon da ist, und Maitreya, der noch kommen wird. Beide mit gesenkten Blicken, lächelnd und mit spitz zulaufenden Haartürmen auf den Köpfen. Sie verkörpern völlige Gelassenheit. Viele Besucher neigen sich den vertrauensvollen Figuren zu. Sie möchten mit den steinernen Buddhas sprechen, ein Gebet aufsagen. Das trifft sich gut, denn die Ohren der beiden sind so langgezogen, weil sie damit die Seufzer der Menschen besser hören können. Myanmar, das einstige Indochina – früher auch Burma oder Birma genannt –, ist ein Vielvölkerstaat mit bewegter Geschichte. Es ist das Land, in dem, wie seine Bewohner glauben, Buddha wohnt. Dem Erleuchteten zu Ehren wurde vor mehr als 900 Jahren eine gewaltige Tempel- und Pagodenstadt errichtet: Bagan mit über 3.000 buddhistischen Sakralgebäuden. Die terrassierten Ziegelbauten sind bunt bemalt, mit vergoldeten Kuppeln und spitzen Türmen, die als religiöse Schreine mit Tüchern umhüllt wurden, deren Enden wie fröhliche Wimpel in der Brise flattern. Um die Tempel sind hölzerne Wohnhäuser, Gasthäuser und Klöster rangiert. Damals wie heute tragen Männer den Longyi, das rockähnliche, karierte, um die Hüften geschlungene Wickeltuch und Frauen schreiten mit ihren Gefäßen und Bambushüten aufs Feld und zum Markt.

Immer noch fahren in Dörfern Ochsenkarren durch den Schlamm und vor den Häusern sitzen Familien auf dem Boden, rund um die Teetassen auf niedrigen Hockern. Kinder hüpfen herum, Hunde streifen über lehmgestampfte Wege und in den Palmen raschelt der Wind. Myanmar ist fast doppelt so groß wie Deutschland, es hat 55 Millionen Einwohner in über 130 ethnischen Gruppen. Alle vereint der Buddhismus. Erst 2011 wurde Myanmar parlamentarische Präsidialrepublik, davor regierte das Militär. Die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die Friedensnobelpreisträgerin mit der Blüte im Haar, steht für diese Öffnung. Myanmar ist das am wenigsten bekannte asiatische Land.

Die Menschen pflegen ihre traditionelle Gastfreundschaft und haben ein heiteres Lächeln im Gesicht. Die MS THURGAU EXOTIC II ist ein zweistöckiges Flussschiff im Kolonialstil, überwiegend aus Holz gebaut, mit Platz für 28 Gäste. Die Suiten sind luxuriös. Von der Deck-Promenade und dem überdachten Sonnendeck aus sind die Blicke auf ein Land gerichtet, in dem der Tourismus noch ohne das kommerzielle Gerummel auskommt, in dem es in alten Städten noch Handwerks- und Töpferkunst zu bestaunen gibt und Zugereiste von Einheimischen respektvoll behandelt werden – eine unvergleichliche Reiseerfahrung.

Größter kolonialer Baubestand in Südostasien

Die Fünf-Millionen-Metropole Yangon (Rangun) ist überstrahlt von der 100 Meter hohen Stupa Shwedagon auf einem Hügel. Vier gewaltige Aufgänge führen zur Plattform, Besucher bewegen sich durch Gruppen von Nonnen und Mönchen. Oben rezitieren Mönche die Pali-Sutren. Die Pagode besteht aus Marmorplatten. Eine goldene Schatulle mit acht Haaren Buddhas soll eingemauert sein. Über Jahrhunderte spendeten Vermögende Gold, dessen Gewicht wird auf 60 Tonnen geschätzt. Reiseleiter erklären, wo man stehen sollte, um die Diamanten glitzern zu sehen. Überall wird gebaut, aber die Altstadt ist nicht nur noch ein Rest hinter rasant hochgeschossenen Stahl- und Glasbauten. An der berühmten Strand Road und im von ihr abgehenden Straßenraster wurde nur dort alte Bausubstanz ersetzt, wo es nicht anders ging. Die Gegend um die Sule Paya war von den Briten, die von 1852 bis 1948 in Yangon das Sagen hatten, als Innenstadt im kolonialen Stil gestaltet worden.

Myanmar war ein Teil Britisch-Indiens, englische Straßennamen blieben weitgehend erhalten. Yangon gilt als Stadt in Südostasien mit dem größten bewahrten Baubestand aus der Kolonialzeit. Das macht ihren Reiz aus, ergänzt durch Kultstätten der Religionen, neben buddhistischen auch hinduistische und christliche Bauwerke, chinesische Tempel und Moscheen. Umtriebig ist der Bogyoke-Aung-San-Markt, der Hauptmarktplatz. Hier werden Gold- und Jadeschmuck, Rubine, kunstvolle Ketten und Armreifen, Lackarbeiten, Gemälde, Stoffe und Tücher verkauft. Eine bunte, geräuscherfüllte Welt mit Haupthalle, Nebenhallen und zahlreichen Gassen. Die nicko tours Flussreise führt aus Yangon heraus durch den Twanta Kanal, der den Yangon Fluss mit dem Irrawaddy verbindet. Danupyu wird erreicht, eine geschäftige Stadt mit altehrwürdiger Zigarren-Manufaktur, deren Produktion besichtigt werden kann. Die Stadt ist von Mönchen geprägt und Besucher verstehen besser beim Betreten von Pagoden, wie tief die Religion das Leben der Menschen bestimmt. Da werden dem Gott der Weisheit und des Erbarmens Geldscheine und Früchte gebracht. Sie erleichtern das Leben der Mönche, die als Buddhas treueste Gefolgsleute gelten und auf Besitz verzichten.

Buddha mit Brille

Wer auf die Landkarte schaut, sieht Myanmar in Form eines nach Süden geöffneten Hufeisens. Der Norden ist von Ausläufern des Himalajas durchzogen. Mit 5.881 Metern ist der unzugängliche Hkakabo Razi der höchste Berg Myanmars. Im südlichen Binnenland bahnen sich vier große Flüsse ihren Weg in Richtung Andamanensee. Der wichtigste davon ist der 2.170 Kilometer lange Irrawaddy, heute Ayeyawady genannt. An seinen Ufern standen die Hauptstädte früherer Reiche. Der Strom ist auf einer Länge von etwa 1.600 Kilometern schiffbar. Das Land ist im südlichen Teil tropisch, neben rund 2.000 Baumspezies gibt es Tausend Pflanzenarten. Ihre Erhaltung hat auch mit dem Buddhismus zu tun. In der Religion wird die Natur als Geschenk gewürdigt. Der Bauer grüßt sein Feld, sobald er es betritt, der Fischer fängt nicht nur Fische, er rettet sie vor dem Ertrinken! Zur Blüte des Padauk tragen Frauen seine gelben Blüten im Haar. Aus dem Teakbaum werden Möbel hergestellt.

Vom Bambus gibt es in Myanmar mehr als 100 Arten. Mehrere Pflanzen werden zur Gesundheitspflege benutzt: Jasminsaft, um Fieber und Erkältungen zu behandeln; aus Palmzucker wird Palmschnaps gemacht; die blassgelbe Magnolie dient der Herstellung einer wohlriechenden Parfumessenz. Die Nuss der Kokospalme fehlt in keinem Haushalt. Myanmar ist ein Safariziel für Naturliebhaber, die Pflanzenpracht ist überwältigend. Beim Ausflug auf einen ehemaligen Vulkanhügel bei Magwe steht ein Naturspektakel im Programm. Aus dem Hügel sickert Lehm, der sich zu Zapfen formt. Exotisch präsentieren sich auch die Städte. In Myan Aung der Markt mit seinem geschäftigen Treiben. Vom Schiff aus werden die berühmten Klippen von A Kauk Taung betrachtet: Steinmetzarbeiten von erstaunlicher Ausdruckskraft. Als lustig wird der Buddha in der Pagode in Shwe Daung empfunden, der einzige, der eine Brille trägt. Thayet Myo zeigt noch einen erheblichen Bestand an Kolonialbauten. In Sagaing wird die buddhistische Lehre in einer großen Zahl an Klöstern gehütet. Aber auch Mandalay hat viel zu bieten. Vor allem den goldenen Mahamuni-Buddha, die meistverehrte Buddha-Statue in Myanmar. Der üppig goldbesetzte „Erhabene Weise“ darf aus der Nähe nur von Männern betrachtet werden. Der Legende nach ist die überlebensgroße Statue in einer einzigen Nacht geschaffen worden. Mandalay ist quirlig. Alte und junge Meister halten die Tradition des über 500jährigen Marionettentheaters lebendig, das Kunsthandwerk wird gepflegt von Bronzegießern, Steinmetzen und Schnitzern, denen man bei ihrer Arbeit zuschauen kann.

Der Mandalay Hill ist ein 240 Meter hoher Berg. Dort soll Gautama Buddha mit seinem Schüler Ananda gestanden haben, als er den Bau der Stadt nach seinem Tod voraussagte. Oben thront das Goldene Palastkloster, in den 1990er Jahren wiederaufgebaut als Replik. Ursprünglich war es 1782 entstanden und Teil der königlichen Palastanlage. Im Innern ist es mit einzigartiger Holzschnitzkunst geschmückt. Im Stadtzentrum darunter steht noch der alte Königin-Viktoria- Uhrenturm, das symbolische Tor zum Zegyo-Markt. Händler bringen ihre Waren in riesigen Körben hierher und präsentieren sie kunstvoll. Tomaten werden in Pyramidenform angerichtet, tropisches Obst gibt es in Fülle, grüner Chili gilt als Spezialität. Nach Einsetzen der Dunkelheit wird der Zegyo zum Nachtmarkt auf einer Länge von einem Kilometer. Myanmar ist exotisch und Mandalay ist ein finaler exotischer Höhepunkt.

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