Interview mit Rüdiger Wartmann, dem Hoteldirektor der MS KATHARINA VON BORA

Der fast Alleskönner

Rüdiger Wartmann arbeitet als Hoteldirektor auf der MS KATHARINA VON BORA. Im Gespräch mit FLUSS ZEIT verrät er, warum dies sein Traumberuf ist.

Man sieht Sie fast überall auf diesem Schiff – an der Rezeption, im Restaurant, beim Service, an Deck oder beim Laden an Land. Muss ein Hoteldirektor alles können?

Ich suche den direkten Kontakt zu unseren Gästen so oft wie möglich. Die Rezeption ist dafür ein idealer Platz, weil jeder hier vorbeikommt. Dort erledige ich auch den täglichen Papierkram und bin doch jederzeit ansprechbar. Im Restaurant ist es wichtig, den Service der Crew durch persönliches Mithelfen zu verstärken und sie dadurch auch noch weiter zu motivieren. Außerdem kann ich so die Wünsche der Gäste noch schneller erkennen und bei Engpässen selber einspringen. Es ist schon wichtig, dass ein Hoteldirektor all die Arbeiten kennt, die im Hotelbereich an Bord verrichtet werden. Auch beim wöchentlichen Loading (Beladen des Schiffes) bin ich natürlich dabei und sorge dafür, dass anwesende Passagiere so wenig wie möglich von solchen Abläufen gestört werden. So tragen wir die Pakete nie durch die Lounge, wenn dort Gäste sind.

War dies schon immer Ihr Wunschberuf?

Absolut! Ich bin in einer Familie von Gastronomen aufgewachsen und fühlte mich schon als Kind zum Wasser hingezogen. Wahrscheinlich ist mein Sternzeichen nicht umsonst Fisch.

Wie war Ihr Werdegang?

Ich habe das Metier von der Pike auf gelernt. Lehre in Hotels in der Schweiz und Deutschland, später Ausbildung zum Restaurantmeister. Als Chef de rang durfte ich im Taschenbergpalais in Dresden Gäste wie Elton John, Montserrat Caballe oder Kurt Biedenkopf bedienen, war auch mal als Butler für Roman Herzog tätig. Aber das Wasser lockte: Bei AIDA arbeitete ich als Maître im Restaurant, machte Eröffnungen von Restaurants und Schiffen wie AROSA BLU mit. Nach einigen Jahr en als Hoteldirektor auf Flussschiffen stand für mich fest: Ich wollte wieder auf der Elbe fahren. Die Elbe ist nun mal mein Fluss.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Der Wecker klingelt um 5.30 Uhr. Danach checke ich das Frühstücksbuffet, begrüße Gäste und Mitarbeiter. Dienstbesprechungen mit Kapitän, Kreuzfahrtleitung, Housekeeping und Restaurantchef sind auch meist auf der Tagesordnung. Die tägliche Büroarbeit wie Schriftverkehr, Einkäufe, Kontrollen und Inventurfragen füllen die Zeiträume zwischen den Servicezeiten. Im Restaurant bediene ich selber mit, berate die Gäste beim Wein. Die meisten kennen die sächsischen Weine gar nicht, die sich in den letzten Jahr en sehr gut entwickelt haben. Dabei ergeben sich auch nach dem Essen fast immer interessante Gespräche. Selten gehe ich vor 23 Uhr schlafen.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie hier?

Im Augenblick arbeiten hier 20 Crewmitglieder aus acht Nationen. Da ist ein tägliches Feedback zur Arbeit wichtig, auch über persönliche Probleme wird geredet. Wichtig ist auch, Qualität und Präsentation des Essens für die Crew zu überprüfen: Nur eine zufriedene Crew kann dem Gast eine gute Dienstleistung bieten.

Was verbrauchen Sie auf auf einem Schiff wie der MS KATHARINA VON BORA an Nahrungsmitteln pro Woche?

Der Verbrauch variiert je nach unserem Gästeaufkommen. Aber bei normaler Belegung benötigen wir etwa 400 kg Obst und Gemüse, 120 kg Wurst und Käse, 150 kg Brot, Brötchen und Croissants, 600 Eier, 300 kg Fisch und Fleisch und 50 Kuchen und Torten. An Getränken sind es etwa 230 Liter Wasser, 50 Liter Milch, 200 Liter Kaffee, 90 Liter Säfte, 250 Liter Bier, und etwa 100 Flaschen Wein und Sekt. Das muss natürlich genauestens geplant werden. Gestern hatte ich zur Ankunft in der Tschechischen Republik ein besonderes regionales Bier für die Gäste angeboten – das war im Nu weg, da müssen wir nächstes Mal mehr bestellen.

Gäste bezeichnen Ihre Zusammenarbeit mit dem Kreuzfahrtleiter als die eines „Dreamteams“. Was können Sie besser als andere?

Mit Thomas Ullrich verstehe ich mich außerordentlich gut, die Zusammenarbeit klappt fast ohne Worte. Auch er stammt aus dieser Gegend, kennt jeden Meter der Elbe seit Jahrzehnten. Jeder weiß, was der andere zu tun hat – und kann im Notfall einspringen.

Was wünschen Sie Ihren Gästen?

Dass sie auf dem Schiff schöne Gegenden erkunden und vor allem neue Freunde gewinnen. Ich versuche immer, bei der Sitzordnung im Restaurant Menschen zusammenzusetzen, die vielleicht allein sind oder mit anderen kommunizieren möchten. Auf dieser Fahrt haben sich zwei ältere Passagiere kennengelernt: Sie sitzen jetzt dort als Paar Hand in Hand in der Lounge.

Ihr schönstes Erlebnis?

Der Applaus der Gäste nach der Gesangsshow, die ich zusammen mit Thomas Ullrich und unserem Maschinisten Eckhard Künnemann mache: Wir imitieren unter anderem die Comedian Harmonists. Singen ist meine Passion, ich habe sogar schon Wettbewerbe gewonnen.

Ihr Ausflugstipp?

Natürlich Dresden mit seinen unzähligen wunderschönen Gebäuden, der Frauenkirche, dem Zwinger, der Semperoper… und mit seiner traumhaften Natur rundherum.

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