Interview mit Peter Schmid, dem Kapitän der MS HEIDELBERG

Die Donau hat mich immer begleitet

Peter Schmid ist erster Kapitän der MS HEIDELBERG. Gleich zwei Lebenswünsche gingen für den jüngsten Kapitän der nicko cruises Flotte in Erfüllung: den Lieblingsberuf auf seinem Lieblingsfluss auszuüben.

Kapitän zu sein, ist für viele ein Kindheitstraum...

Schiffe haben mich schon immer fasziniert. Meine Eltern wohnten in Krems, da konnte ich von meinem Fenster aus direkt auf die Donau schauen, sah den verschiedensten Schiffen hinterher. Als Bube bin ich dann häufig im Fluss baden gewesen, habe auch schon mal die Donau überquert. Am schönsten war es immer, in die Wellen der vorbeifahrenden Schiffe hinein zu schwimmen. Sehr zum Leidwesen der Eltern, denn das war natürlich streng verboten. Aber als 12-jähriger hört man natürlich nicht auf so etwas …

Wann sind Sie zum ersten Mal an Bord eines Schiffes gegangen?

Das ist auch schon im Kindesalter gewesen. Meine Eltern nahmen uns häufig am Wochenende mit auf die Ausflugsschiffe, die in der Wachau fuhren. Kloster Melk, die Basilika von Maria Zell – all das kannte ich schon von Kindesbeinen an. Aber am meisten haben mich wirklich die Schiffe interessiert, mit denen wir unterwegs waren oder die uns begegneten. Darunter war auch ein historischer Schaufelraddampfer, ein faszinierendes Ungetüm.

Dann ist aus dem Kindheitstraum ein Beruf geworden...

Genau! Mit 15 Jahren begann ich meine Ausbildung zum Schiffsjungen. Das hieß im Klartext: Saubermachen! 90 Prozent der Arbeit bestand aus Putzen, Streichen und Seilarbeiten. Ich habe den Beruf wirklich von der Pike auf gelernt. Die Hälfte des Jahres war ich auf dem Schiff, die andere in der Schule. Sicherheitslehre, Schiffsbaukunde – da gab es genug zu lernen. Nach zwei Jahren war ich dann Matrosenschüler, ab 18 Jahren Matrose.

Anschließend ging es auf große Fahrt?

Eine Zeitlang fuhr ich mit Frachtschiffen bis ins Donaudelta, lange Schubverbände, die meist Autos oder Brennstoffe transportierten. Aber auf Dauer war mir das doch zu langweilig, wochenlang nur zu dritt zu fahren. Mir fehlte der Kontakt zu den Passagieren. Ein Grund, bei den Ausflugsschiffen anzuheuern und die Prüfung zum Schiffsführer zu machen.

Darf man dann die gesamte Donau befahren?

Das kommt auf die Prüfung und das Patent an. Es gibt auf der Donau drei Streckenpatente, die einzeln oder auch zusammen erworben werden können. Das zweite ist erst möglich, wenn man bereits 16 Fahrten bis zum Delta und zurück absolviert hat. Ich habe die Gesamtprüfung vor einer Kommission in Würzburg abgelegt, bin dann auf einigen Flusskreuzfahrtschiffen als Kapitän gefahren, bevor ich vor vier Jahren zu nicko cruises gekommen bin.

Jetzt ist die MS HEIDELBERG Ihre schwimmende Arbeitsstätte ...

Ein schönes Schiff, das genau Kurs hält. Obwohl es keine Außenfahrstände gibt, lässt es sich sehr gut steuern – und es fährt vibrationsfrei. Viele Passagiere sind von der exklusiven Innenausstattung überrascht. Von außen hat die MS HEIDELBERG nicht die ganz klassischen Linien - umso größer ist die Begeisterung dann an Bord.

Wollten Sie nie auf dem Meer fahren?

Es hat mich nie auf die See gezogen – das finde ich zu langweilig. Man muss schon die Ufer während einer Fahrt sehen können, das macht das Ganze lebendig. Außerdem könnte ich auf hoher See nicht einmal wöchentlich an meinem Haus in Krems vorbeifahren, wo meine Frau und die beiden kleinen Mädchen wohnen. Da wird jedes Mal natürlich gehupt! Ich sehe die Familie im Sommer nach sechs Wochen Schiff für zwei Wochen, im Winter habe ich dann von Mitte November bis Ende Februar Urlaub. Da kann man schon einiges unternehmen.

Passagiere fragen immer wieder, wer eigentlich fährt, wenn der Schiffsführer beim Kapitänsempfang ist?

Natürlich gibt es auf dem Schiff zwei Kapitäne, ich habe als erster Kapitän einen Stellvertreter. Wir teilen uns die Arbeitszeiten im 6-Stunden-Rhythmus. Aber bei komplizierten Strecken oder Schleusen komme ich bei Bedarf dazu. Glücklicherweise habe ich einen sehr kompetenten Vertreter, so dass dies selten nötig ist.

Ihre witzigste Erinnerung als Kapitän?

Als ich noch auf den Ausflugsschiffen arbeitete, kam eines Tages ein Paar mit einem Standesbeamten, die sich an Bord trauen lassen wollten und mich baten, den Trauzeugen zu spielen. Ich war erst verblüfft, habe es dann aber natürlich gemacht. Seitdem habe ich von „meinem“ Brautpaar nie wieder etwas gehört. Auf der MS HEIDELBERG ist mir das noch nicht passiert, obwohl ich schon gesehen habe, dass sich an Bord einige Freundschaften und Lieben unter den Passagieren entwickelten. Flussreisen sind eben romantisch.

Ihr persönlicher Tipp für die Gäste?

Mir gefällt Budapest am besten. Diese Stadt hat wirklich ein ganz besonderes Flair. Vor allem der Prachtboulevard Andrássy ist sehr beeindruckend. Man muss beim Promenieren häufig in die Luft schauen, um die architektonischen Schönheiten der prachtvollen Fassaden auch wirklich zu entdecken.

Was bedeutet die Donau für Sie?

Die Donau ist ein ruhiger und unglaublich schöner Fluss mit sehr anspruchsvollen Strecken wie zum Beispiel in der Wachau. Und vor allem ist sie ein gesunder Fluss mit mittlerweile wieder hoher Trinkwasserqualität – und ein Eldorado für die unterschiedlichsten Tiere, vor allem Vögel. Das ist jedes Mal eine Fahrt durch Natur pur. Wer hat schon so einen schönen Arbeitsplatz?