Interview mit Kreuzfahrtleiterin Birgit Bejan

Zu Hause auf der Donau

Seit 2005 ist Birgit Bejan Kreuzfahrtleiterin auf Donaukreuzfahrten mit nicko cruises. Was sie an ihrem Beruf reizt und wo sie sich zu Hause fühlt, verrät die 32-jährige im Interview.

Frau Bejan, was sind die Aufgaben einer „Kreuzfahrtleiterin“?

Im Prinzip sorge ich zusammen mit Kapitän, Hotelmanager und der Crew dafür, dass unsere Gäste sich wohlfühlen und begeistert von der Reise nach Hause fahren. Das ist unser großes Ziel. Ich bin die erste Ansprechpartnerin für unsere Gäste. Meine Aufgaben umfassen die Organisation des Bordprogramms und der Landgänge mit Landausflügen sowie Entertainment. Das alles natürlich in Absprache mit dem Kapitän und dem Hotelmanager. Weiterhin informiere ich die Gäste sowohl über das Bordleben als auch über die vorbeiziehende Landschaft und die Destinationen. Controlling und Administration gehören ebenfalls zu dem Aufgabenbereich einer Kreuzfahrtleitung, um gewisse Standards einfach sicher zu stellen. Zusammengefasst könnte man sagen, die Kreuzfahrtleitung kann schon als „Mädchen für alles“ bezeichnet werden.

Was hat Sie bewogen „zur See“ zu fahren?

Das ist ein Kindheitstraum von mir. Schon als ich klein war, wollte ich später auf einem Schiff arbeiten. Leider werde ich bei Wellengang seekrank. Da passt es natürlich perfekt, dass das Flusskreuzfahrt-Geschäft schon damals im Wachstum war, denn so musste ich meinen Traum nicht ganz aufgeben. Heute bin ich leidenschaftlich gern auf der Donau unterwegs.

Wird die Arbeit nicht eintönig nach Jahren auf ein und demselben Fluss? Sie müssten doch schon alles kennen.

Überhaupt nicht! Natürlich kenne ich die Ziele entlang der Donau sehr gut und fühle mich eigentlich überall wie zu Hause. Aber auch für mich gibt es immer noch etwas zu entdecken. Zudem birgt jeder Tag etwas Neues und auf jeder Reise sind andere Gäste an Bord. Da wird es einem schon nicht langweilig. Es herrscht immer Abwechslung.

Was sind Ihre ganz persönlichen Highlights entlang der schönen blauen Donau?

Natürlich sind für mich, wie wohl für alle Menschen, die schon mal die Donau befahren haben, die allseits bekannten Streckenabschnitte der Schlögener Schlinge, des Strudengaus, der Wachau, des Donauknies, die Passage Budapest sowie die Kataraktenstrecke mit den Kazanengen und dem Eisernen Tor oder auch das Donaudelta die Highlights einer Donaufahrt. Ich würde lügen, wenn das nicht so wäre. Hält man aber die Augen offen, so entdeckt man noch viele weitere, kleinere Höhepunkte und Schönheiten, die uns die Donau entlang ihres Verlaufes immer wieder präsentiert. Als Beispiel lassen sich hier u.a. die Donauauen zwischen Wien und Bratislava nennen – dem Naturschutzgebiet entlang der Donau, wo kleine Fischerhäuschen die Ufer säumen, bevor es vorbei geht an der letzten österreichischen Stadt Hainburg vor der Grenze zur Slowakei mit der Mündung der March bei der Burgruine Theben, die auch die Pressburger Pforte genannt wird. Eindrucksvoll ist auch die Region rund um die Mündung des Flusses Theiss, dem längsten Nebenfluss der Donau, ca. 45 km vor Belgrad. Ein kleiner, sagenumwobener Leuchtturm markiert die Mündung und gegenüber liegt inmitten einer schönen Hügellandschaft das kleine Dorf Stari Slankamen, das vor allem für seinen Wein bekannt ist. Jeder spricht immer von den Donaumetropolen Wien, Budapest und Belgrad. Vergessen darf man aber auf keinen Fall die kleineren Städte wie Bratislava oder Novi Sad. Klein, aber fein, ist hier die Devise. Beide Städte wurden wunderschön restauriert und strahlen in einer farbenfrohen Atmosphäre. Spürbar ist in allen Ecken die Gemütlichkeit einer Kleinstadt, die zum Verweilen und Genießen einlädt.

Gibt es Stammgäste, die Sie während Ihrer Zeit bei nicko cruises schon öfter an Bord begrüßen konnten?

Natürlich. Immer wieder treffe ich Menschen, die ich von früheren Flusskreuzfahrten kenne. Da ist das Hallo meist groß und es wird geplauscht. Das verbindet und gerade bei nicko tours kommen viele Reisende immer wieder an Bord, weil ihnen die gesamte Atmosphäre so gut gefällt.

Was macht die Kreuzfahrtleiterin Birgit Bejan in ihrer knapp bemessenen Freizeit während einer Kreuzfahrt?

Ich lege die Beine hoch, genieße die Landschaft und lese ein gutes Buch. Bei Übernachtungen in größeren Städten zieht es mich auch schon mal hinaus in den Trubel, wie zum Beispiel in Budapest oder in Wien. Auch so etwas kann einem neue Energie geben.

Würden Sie jemals das Fahrtgebiet wechseln wollen?

Warum nicht? Auch andere Flüsse sind sicherlich schön. In absehbarer Zeit habe ich das aber nicht vor. Ich bin halt irgendwie ein „Donau-Kind“. Und alles an und auf diesem Fluss habe selbst ich noch nicht gesehen.

Verraten Sie uns noch einen echten Geheimtipp auf einer Donauflussreise?

Da fällt mir spontan das Café Centrál in Budapest ein (Károlyi Mihály u. 9., Seitenstraße von der Váci utca). Ein schönes altes Cafe, in dem Kaffeehaustradition noch groß geschrieben wird und das gerne von Einheimischen besucht wird. Die Goldnockerln (ungarisch „Arany Galuska”) sind traumhaft leckere, überbackene Hefeteig-Knödel, mit Vanille-Soße serviert – ein Gedicht!