Wachau

Genussvoll durch Österreich

Der ewige Fluss der Zeit

Die Donaukreuzfahrt und Ausflugstour durch die Wachau ist eine Reise durch die Farben des Flusslaufs und seiner langen Geschichte.

„Vom Silberband der Donau rings umwunden, hebt sich's empor zu Hügeln voller Wein“, bedichtete Franz Grillparzer im 19. Jahrhundert ergriffen die Wachau.

Eingeklemmt in ein enges Tal zwischen dem Städtchen Krems und dem Barockstift Melk und zwischen Hängen voller Reben und Wälder strömt der munter mäandernde Fluss dahin. Die Donau durchfließt auf 36 Kilometer Länge einen Landstrich, der noch jeden Dichter in die Knie zwang, vom melancholischen Rainer Maria Rilke bis zum Zyniker Thomas Bernhard.

Wer mit dem Schiff hindurchgleitet, erlebt auf einmal einen anderen Fluss. Ganz intensiv treten die Farben vom Blau bis Dunkelgrün im Flusslauf hervor. Den Blick nach vorne gerichtet, könnte man aber fast meinen, man fahre übers Meer.

Die Wachau gehört zum Weltkulturerbe der Menschheit. Vielfältig ist die Landschaftsstruktur mit Tälern, felsigen Terrassen und Auenwäldern. Ein steil ansteigendes Stromtal, über dem sich Felsen staffeln. Hinter jeder Flusskurve eröffnet sich ein neues Panorama, manchmal stockt einem der Atem. Das Land schwingt sich von Hügel zu Hügel, auf Bergflanken hocken Ruinen einst stolzer Burgen und die „Kircherl“ sind fast immer mächtige Bauten. Weingüter erstrecken sich bis an die grünen Uferterrassen, die meisten von ihnen mit gastronomischen Betrieb oder zumindest der Möglichkeit, Wein zu verkosten.

Weites, träges Wasser glitzert unter der Sonne, im frühmorgendlichen Hochnebeldunst verschwimmt der Horizont. Dazwischen getupft blinken dottergelbe Winzerhäuser auf, eine Armada von Schlösschen, das Weiß und Rosa der Marillenbäume.

Unbeirrt zieht das Wasser stromabwärts. Am Ufer steigt ein bunter Heißluftballon langsam vor dem Hintergrund der Weinhänge auf, erst schaukelnd, dann strikt Richtung Himmel. Wer es hier nicht schafft, die Nase neugierig und ausdauernd in den Windkanal zu halten, weil es ständig – wie aufgereiht – neue Attraktionen zu sehen gibt, der verpasst Europas bezauberndstes Flusstal.

Die sprichwörtliche „Musi“ an Bord eines Donauschiffes spielt hier garantiert draußen. Der Passagier gleitet aus ungewohnter Perspektive auf den blauen Turm von Dürnstein zu, beobachtet, wie Stift Melk gleichsam aus dem Fluss auftaucht und das imposante Stift Göttweig bräsig auf seinem Thron sitzt, die einstige Burg der räuberischen Kuenringer. Dann, nahe am Strom, fast greifbar, die Ruine Aggstein und Schloss Schönbühel.

Schon vor langer Zeit begann der Weinanbau

Dieses Stück Donau galt immer schon als Perle am Fluss. Die Anrainer halten sich bis heute für Glückspilze an der insgesamt 2888 Kilometer langen Stromstrecke. Das stolze Selbstverständnis der Bewohner macht sich auch in ihrer Architektur und wirtschaftlichen Stärke bemerkbar. Bereits in keltischer Zeit soll der Weinanbau in der Wachau begonnen haben, mit den Römern kam es dann zur ersten Weinkulturblüte. Seit dem 9. Jahrhundert wird in der Wachau systematisch Weinanbau betrieben, ihm kommt bis heute die größte Bedeutung zu.

Wachauer Riesling und Grüner Veltliner, Neuburger und Müller- Thurgau gehören zu den weltberühmten Spitzengewächsen. Als „Weinhauer“ waren die Wachauer, die den k.u.k. Hof in Wien und andere Fürstenhöfe mit edlen Tropfen versorgten, beliebte Untertanen und erhielten von den hohen Herren manches Privileg. Schon unter der Herrschaft der Babenberger, einem österreichischen Markgrafen- und Herzogsgeschlecht fränkisch-bayerischer Herkunft – ihr Name ist von Bamberg in Oberfranken abgeleitet –, die in der Gegend von 976 bis zu ihrem Aussterben 1246 das Sagen hatten, besaß die Wachau eine Art Selbstverwaltung.

Die Habsburger, deren Aufstieg danach einsetzte, führten diese Tradition fort. Für die Periode der Renaissance ist belegt, dass 31 Klöster in der Wachau Weingüter besaßen. 1784 erlaubte Kaiser Joseph II. den Ausschank eigener Weine in den Weinbaubetrieben. Sie erhielten den Namen „Buschenschank“ und sind seither über ganz Österreich verbreitet und sehr beliebt.

Die hervorragenden Weine der Wachau können die Passagiere selbstverständlich auch an Bord der nicko cruises Flusskreuzfahrtschiffe genießen.

Schon im Spätmittelalter entstand der „Treppelweg“, jener gut ausgebaute Pfad, auf dem einstmals schiere Pferdekraft Schiffe voller Getreide, Obst und Wein flussaufwärts bewegte. Noch bis ins späte 19. Jahrhundert waren hier schwere Gespanne unterwegs, die Züge von bis zu vier voll beladenen Schiffen schleppten. Bis zu 60 der stärksten Pferde mühten sich entlang des Ufers über Stock und Stein, angetrieben von ihren Führern. Bei Bedarf durchschwammen sie sogar Donauarme und selbst den Fluss mussten sie auf Furten bis zu den Schädeln im Wasser durchqueren, weil der Treppelweg wechselweise am rechten und linken Ufer entlangführte. Eine Fahrt von Budapest nach Linz dauerte in diesen Zeiten vier Wochen, bis nach Regensburg musste sogar die drei- bis vierfache Spanne berechnet werden. Der einstmals so beschwerlich zu bewältigende Transportweg wird heute vor allem von Radfahrern benutzt. Flusskreuzfahrten sind aber die angenehmste Art des Reisens.

Die Wachau ist ein uraltes Kulturland

Weil die Region immer schon klimatisch begünstigt war, galt sie bereits vor Jahrtausenden als gefragtes Siedlungsgebiet. Die berühmte Venus von Willendorf, eine Statuette mit ausladenden Formen von nur elf Zentimeter Größe, die heute im Naturhistorischen Museum in Wien ausgestellt wird, wurde vor etwa 27.000 Jahren in der Wachau angefertigt. Gefunden wurde sie 1908 während Gleisbauarbeiten, sie gilt als eine der ältesten Kunstfunde der Steinzeit.

Die auffällige Dichte an anderen Funden – Schmuck und Handwerkszeug vor allem – beweist, dass die Gegend auch schon vor der Zeitrechnung ein Kernland menschlichen Lebens und Treibens war. In den Auenwäldern mit ihren kleinen Seen, Teichen, Mooren und Granitbergen, hinterließen vorgeschichtliche Völker zahlreiche Kultstätten, bis heute liegt eine spirituelle Aura über dem Land. Kaiser und Könige machten mit Vorliebe Station in einem der vielen Klöster, um den Blick auf den Fluss zu genießen. Im Lauf der Jahrhunderte hat er zwischen dem Böhmischen Massiv im Nordwesten und dem Dunkelsteiner Wald im Südosten ein enges Felsental geschaffen. Nirgendwo gibt es eine Brücke, wer in der Wachau von einem auf das andere Donauufer wechseln will, muss die Fähre nehmen. Österreichs bedeutende Kaiserin Maria Theresia reiste gern bequem auf einem Schiff über das Wasser der Donau, ihr besonderer Liebling war das Stift Melk. Alle Insider halten es bis heute für Österreichs schönstes Kloster. Und so bildet es auch einen Höhepunkt im nicko cruises Ausflugsprogramm.

Von hier aus wurde regiert

Das kleinstädtische Ensemble von Melk an der südlichen Peripherie des Dunkelsteiner Waldes kannten schon die Römer, 831 erhielt es Stadtrecht. Ein hübscher Ort mit Häusern des 17. und 18. Jahrhunderts. Darüber aber thront ein sonnengelb heiterer Barock von imperialer Größe, er nimmt den größten Teil des begrünten Felsenplateaus ein. Einst wurde von hier aus Ostarrichi, die Ostmark, regiert. Markgraf Leopold I. aus dem Geschlecht der Babenberger hatte 976 den Befehl zum Bau einer wuchtigen Burg in luftiger Höhe erlassen. Als sein Nachfolger Leopold II. 1089 ins östlich gelegene Niederösterreich umsiedelte, vermachte er die Burg den Benediktinern, die Stift Melk zum geistig-kulturellen Zentrum von großer Breitenwirkung entwickelten. 1702 war dem Orden unter Abt Berthold Dietmayr die Burg zu unpraktisch. Sie ließen vom Tiroler Baumeister Jakob Prandtauer und dessen Schüler Joseph Munggenast ein komplett neues Kloster errichten, das um die Kirche herum mit einem Bollwerk von Anbauten umschlossen wurde. Es ist um mehr als das Doppelte größer als die frühere Burg. Dem Geist der Zeit entsprechend geschah das in Barockbauweise und in Perfektion. Symmetrische Fassadentürme, über und über dekoriert, leuchten weithin auf dem grauherben Granit des Felsens. Besucher gelangen über den Vorhof in den Prälatenhof, der mit zeitgenössischen Fresken ausgestattet ist. Es ist eine Darstellung von Kardinaltugenden.

Die Kaiserstiege zeigt sich pinkfarben und hat niedliche Putten. Über die Prunkstiege wird der 196 Meter lange Kaisergang betreten, in den 60 Räumen haben viele gekrönte Häupter genächtigt. Zur Donau hin ist der Kolomanihof ausgerichtet, der Marmorsaal schwelgt in üppiger Deckenfresken-Mythologie. Im Nordteil befinden sich die Bibliothek mit über 100 000 Büchern, darunter 200 Handschriften und 850 Inkunabeln. Die Intarsien sind überaus prachtvoll, die Altane zwischen Marmorsaal und Bibliothek gewährt weite Ausblicke ins Land, durch das sich der Fluss windet. Die Stiftskirche Peter und Paul ziert eine geschwungene Fassade, ihr Innenraum ist in Goldtönen gehalten, was bei Sonnenschein zu bizarren Lichteffekten führt. Unter dem als aufgerissener Himmel freskierten Gewölbe erblickt der Besucher die göttliche Dreifaltigkeit. Noch nach Rückkehr auf das Schiff wirkt die barocke Ausdruckskraft nach.

Wo einst die Raubritter lauerten

Von Melk stromabwärts wird Schloss Schönbühel erreicht, ein früheres Fürstengebäude mit einem Ort. Das Schloss entstand schon im 12. Jahrhundert als Burg, seine heutige Form stammt aus dem 19. Jahrhundert. An der Außenmauer ist unübersehbar ein Abendmahlrelief angebracht. Weiter donauabwärts zweigt in Aggsbach Markt mit seinem Badestrand eine Straße zum Wallfahrtsort Maria Laach auf 580 Meter Höhe ab. Die spätgotische Wallfahrtskirche ist üppig ausgestattet. Nördlich von Maria Laach steht der Jauerling, der höchste Berg der Wachau mit 950 Metern und einem 140 Meter hohen Sendemast des Rundfunks darauf.

Es folgt Burg Aggstein, als Ruine 300 Meter über dem Fluss, mit einer herrlichen Aussicht in das Donautal. Die Burgruine aus dem 13. Jahrhundert, mehrfach zerstört und wiederaufgebaut, besitzt gewaltige Dimensionen. Hier verschanzten sich lange die Kuenringer als Raubritter, die im Tal vorbeiziehende Schiffe von Kaufleuten überfielen.

Dürnstein gehört zum Schönsten, was die Alpenrepublik zu bieten hat. Über den Gassen döst eine romantische Ruine vor sich hin, die Barockkirche des Augustiner Chorherrenstifts beeindruckt. Wahrzeichen der Stadt ist der blauweiße Barockturm der Stiftskirche, der von den Einheimischen auch „Fingerzeig Gottes“ genannt wird. Spitz ist ein alter Markt mit viel Renaissance und Barock. Der Marker des Ortes ist der Tausendeimerberg als Weinberg. Sein Name rührt daher, dass er in guten Jahren bei der Ernte tausend Eimer bringt, pro Eimer 53 Liter. Im Barockschloss Erlahof gibt es eine Ausstellung zur Ruder- und Floßschifffahrt auf der Donau.

Krems, das Tor zur Wachau, trumpft auf mit Bürgerhäusern voller Lauben und Erker, prachtvollen spätbarocken Fassaden, meist pastellfarben gehalten, und dekorativen Brunnen.

Das Tal als einzige bunte Wolke

Der liebe Gott, so heißt es, hat an der Donau die Wachauer Marille erschaffen. Sie ist ihm besonders gut gelungen, mit rosigen Bäckchen und samtener Haut. Inzwischen ist ihr auch der weltliche Segen zuteil geworden: die Frucht trägt das EUPrädikat „Geschützte Ursprungsbezeichnung“. Sie schmeckt süß und fruchtig-säuerlich, ihr besonderes Aroma entsteht durch die verschiedenen Klimaeinflüsse, Kühle aus dem Waldviertel, ein mildes pannonisches Lüftchen aus dem Osten.

Die ursprünglich aus China stammende Frucht wächst an rund 100 000 Marillenbäumen, wenn sich im Frühling die Knospen öffnen, ist das Donautal eine einzige bunte Wolke. Auch die Mandelbäume schlagen blühend aus, rosa, weiß und duftig. Nirgendwo ist das Blütenbild eindrucksvoller als beim Blick vom vorüber fahrenden Schiff aus.

Die Marille, die zur Familie der Rosengewächse zählt, ist, kaum gereift, schon dem Verfall preisgegeben. Von Mitte Juli bis Ende August wird zwischen Krems und Melk im Akkord gepflückt, die Äste werden geschüttelt, die Früchte direkt in die Körbe gelegt. Dann sprudelt das Obst in den Töpfen, Entkernungsmaschinen spucken unermüdlich Kerne aus und die Konditoren verarbeiten Marillenstücke in Schokolade und anderen Köstlichkeiten. Die Königin der Steinfrüchte wird auch als Marillenknödel, Marillenstrudel oder Marillenbrand präsentiert. Man kann sie aber auch frisch vom Hof oder am Straßenrand kaufen, die „schöne Wachauerin“ muss unmittelbar darauf verzehrt werden. Die Marille gelangt aber auch in apricotfarbene Seife oder Lippenbalsam, so nimmt man sie als Souvenir am besten mit nach Hause. Ebenso wie zahlreiche wunderschöne Erlebnisse während einer Flussreise durch die liebliche Wachau.

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