Flussreise auf der Seine

Normandie Flussreise Seine

Französische Lebenskultur und reizvolle Landschaftsbilder erleben

150 Jahre nach der Zeit der Impressionisten ist eine Flusskreuzfahrt auf der Seine wie ein Gleiten durch eine Galerie lebender Motive mit diesem „neu entdeckten Licht“, die gerahmt in den berühmtesten Museen dieser Welt zu finden sind.

Von Paris aus geht es unter der Eisenbahnbrücke von Argenteuil hindurch, die Claude Monet 1874 malte. Die berühmte „Île des Impressionistes“, die Seine-Insel bei Chatou, hat zwar durch ihre Bebauung etwas von ihrem Charme verloren, die „Maison Fournaise“, ein Restaurant, in dem Renoir gern und oft zu Gast war und häufig malte, existiert aber immer noch. Auf den Terrassen gibt es noch heute wie damals Schneckenfrikasee, deftige Pasteten oder frische Fische. Auch Guy de Maupassant gesellte sich hier bisweilen als Künstler der Feder zu denen des Pinsels. Mantes-La-Jolie mit seiner berühmten Stiftskirche Notre Dame zieht vorbei: Hier hat Sisley einige Straßenszenen an der Seine gemalt. Tragisch für den Künstler, dass erst nach seinem Tod das Publikum auf seine Werke aufmerksam wird.

Aktuelle Flusskreuzfahrten auf der Seine

Roter Mohn und gelber Weizen

Wer das Glück hat, im Sommer eine Flussreise auf der Seine zu unternehmen, wird die knallroten Mohnwiesen bei Saint-Martin-la-Garenne oder die gelben Weizenfelder bei Moisson nicht mehr vergessen. Monet hielt sie in satten Farben fest, wie auch die vielen Motive aus dem nahegelegenen Vétheuil, wo er einige Jahre wohnte. Die lebensfrohen Farben dieser Bilder verraten nichts von seiner Trauer – seine junge Frau war gerade gestorben und finanziell ging es ihm äußerst schlecht. Auch Cézanne und Renoir liebten dieses Künstlerdörfchen. Zahllose Impressionen malten in den kleinen Sträßchen mit der pittoresken Kirche aus dem 12. Jahrhundert, an der das komfortable Flusskreuzfahrtschiff direkt vorbei zu schweben scheint. Noch Dutzende andere Bilder entstanden nicht weit entfernt: Die Häuser von Émile Zola und Monet, die sich bei Bennecourt im Flusswasser spiegeln oder die kleinen Seine-Inseln bei Limetz-Villez, die heute verschwunden sind. Das prächtige und auf einigen Leinwänden verewigte Schloss von Roche-Guyon mit seinem Bergfried, von dem aus die elegante Seine-Schleife wie ein glitzerndes Mäandermuster zu sehen ist, liegt in einem der schönsten Dörfer Frankreichs.

Normandie Flussreise Seine Giverny

Monet’s letztes Paradies

Claude Monet, der ruhelose Maler auf der Jagd nach dem schönsten Licht, fand im wenige Kilometer entfernten Giverny sein persönliches Paradies: Ein stattliches Haus mit großem Atelier und einem Speisesalon, an dessen Esstisch er häufig junge Künstler bewirtete, die nach und nach Giverny zum Mekka des Impressionismus erkoren. Und vor allem natürlich die Schlafzimmer mit dem Blick über die Gärten, den eigens angelegten Seerosenteich mit seinen Trauerweiden, der glycinienberankten Holzbrücke, den Azaleen und Rhododendren. Hier entstanden die berühmten Seerosenmotive, die heute in der Orangerie in den Tuilerien in Paris besichtigt werden können. Mehr als 100 Variationen der Wasserrosenbilder entstanden hier in den unterschiedlichsten Lichtstimmungen.

Monet war es nach Dutzenden von Umzügen gelungen, ein „richtiges“ Zuhause für seine letzten Lebensjahre zu schaffen, eine Welt von Motiven in einem parkähnlichen Garten zu kreieren, die er wie auf einem Gemälde von bis zu sechs angestellten Gärtnern realisieren ließ. Monet’s Ruf und seine vielen Besucher selbst aus dem fernen Amerika ließen auch Angélina und Gaston Baudy jubilieren: Aus ihrem ehemaligen Kolonialwarenladen, wenige Minuten von Monets Haus entfernt, entwickelte sich im Lauf der Jahre ein florierendes Hotel mit eigenem Atelier, das damals den ersten Whiskey der gesamten Normandie ausschenkte. In der kleinen Gaststube mit den rot-weiß-karierten Tischdecken oder an der immer frisch geputzten Holztheke kann man noch heute deftig essen oder einen kleinen Calvados trinken.

14 Staffeleien in Rouen

Flussabwärts folgt ein Motiv dem nächsten: die alte Mühle auf ihrer abgebrochenen Brücke in Vernon, das Schloss von Richard Löwenherz, Château Gaillard, hoch oben über einer Flussreise auf der Seine bei dem reizenden Städtchen Les Andelys. Oder die gotische Kathedrale der normannischen Hauptstadt Rouen, die Monet von einem eigens angemieteten Zimmer auf nicht weniger als 14 Leinwänden gleichzeitig malte. Zwischen den Staffeleien sprang er hin und her, stets bemüht, das wechselnde Licht einzufangen. Ähnliche Bildserien hatte er bereits zuvor von den beeindruckenden Kreidefelsen an der „Alabasterküste“ von Étretat geschaffen, dem charmanten Badeörtchen am Ärmelkanal. Die bizarren weißen Felsformationen zogen aber auch viele andere Künstler an wie Eugène Delacroix, Gustave Courbet oder Camille Corot. Unzählige Werke entstanden hier und in dem Bilderbuchstädtchen Honfleur, in dem Corot lange Zeit ein Atelier mit Blick auf das Meer gefunden hatte.

Das „Corot-Zimmer“ lässt sich mieten, allerdings zu einem luxuriösen Preis... Noch heute zieht die Geburtsstadt von Monet‘s Entdecker Eugène Boudin mit seinem romantischen Hafenbecken, den romantischen Fachwerkhäusern und der beeindruckenden Holzkirche mit dem freistehenden Glockenturm Maler und Schriftsteller aus aller Welt an, schon Charles Beaudelaire schrieb hier einige bedeutende Werke. Langsam gleitet die MS SEINE COMTESSE wieder flussaufwärts gen Paris. Weiße Wolkenformationen ziehen am blau-grauen Himmel über das Seinetal, die Nachmittagssonne taucht die Gegend mit ihren Pappelalleen, den Klatschmohnfeldern und den grünen Wäldern in ein ganz besonderes Licht. Auf dieser Flussreise auf der Seine, das ist sicher, wären die großen Impressionisten auch gerne gefahren.