Prag - Flussfahrt in die Goldene Stadt

Prag, die „Goldene Stadt“ (1,5 Millionen Einwohner) wird zu den schönsten Städten der Welt gezählt und ist ein absolutes Highlight einer Flusskreuzfahrt auf Elbe und Moldau. Der historische Stadtkern steht seit 1992 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Soviel Schönheit lockt jedes Jahr Millionen von Besuchern in die „Schöne an der Moldau“. Hier lohnt ein längerer Blick in die Geschichte, die eng mit der von Tschechien und dessen Kernland Böhmen und damit mit der von Mitteleuropa verknüpft ist.

Um 500 n. Chr. ließen sich während der Völkerwanderung Slawen in dem schon von Kelten besiedelten Böhmen nieder. Um 870 wurde die Prager Burg auf dem Hradschin gegründet, 973 entstand das Bistum Prag. 1085 nahm der erste böhmische Königs Vratislav I. seinen Sitz in der Stadt. Ihre große Zeit begann, als 1346 der aus Luxemburg stammende Karl IV. (1316-1378) unter dem Namen Karl I. böhmischer König, ein Jahr später deutscher König und 1355 römischer Kaiser wurde. In dieser Eigenschaft machte er Prag zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nationen und gründete hier die erste Universität Mitteleuropas, die Karls-Universität. Danach wurde Prag großzügig ausgebaut und zur größten Stadt Mitteleuropas.

Entdecken Sie das „Rom des Nordens“ bei einer Flusskreuzfahrt

Das „Rom des Nordens“ zog Künstler und Gelehrte aus ganz Europa an. Nach der Verbrennung des böhmischen Reformators Johannes Hus beim Konstanzer Konzil 1417 kam es 1419 zum ersten Prager Fenstersturz, als Anhänger von Hus das Rathaus stürmten und hochrangige Persönlichkeiten aus dem Fenster warfen. Dies war der Beginn der Hussitenkriege, die bis 1437 Zerstörungen im ganzen Land verursachten.

1526 fiel die böhmische Krone an Ferdinand I. von Habsburg. Von da an bis 1918 wurde Böhmen von den Habsburgern beherrscht. Sie machten Prag von 1583 bis 1611 zum Sitz des Kaisers und zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Ein Aufstand protestantischer Adelskreise gegen das katholische Habsburg führte 1618 zum zweiten Prager Fenstersturz, diesmal war die Burg Schauplatz des Geschehens. Für Europa hatte der Konflikt weitgehende Folgen und löste den Dreißigjährigen Krieg aus, Prag verlor seine bisherige Bedeutung.

Flusskreuzfahrten nach Prag

1744 marschierte Preußen in Prag ein, und auch im Siebenjährigen Krieg zwischen Preußen und Österreich wurde Prag zeitweilig belagert und besetzt. Böhmen blieb aber langfristig Teil des Habsburgerreichs. 1784 schlossen sich die vier bisher selbständigen Städte Hradcany, Kleinseite, Altstadt und Neustadt zur Verwaltungseinheit Prag zusammen. In dieser Zeit begann die Wiedergeburt des lange unterdrückten tschechischen Nationalbewusstseins. 1848 kam es zu einem Aufstand tschechischer Nationalisten gegen das österreichische Kaisertum, der jedoch niedergeschlagen wurde. In den folgenden Jahren verloren in vielen Städten Böhmens die lange Zeit dominierenden Deutschen ihre bisherige Bevölkerungsmehrheit an die tschechischen Bewohner.

Nach der Niederlage der Mittelmächte Deutschland/Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg entstand die Tschechoslowakische Republik als unabhängiger Staat mit Prag als Hauptstadt. Zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen – Tschechen, Deutschen, Slowaken, Ungarn und Polen – kam es jedoch zunehmend zu Spannungen, vor allem im Sudetenland. Um die drohende Kriegsgefahr abzuwenden, stimmten die Regierungschefs Großbritanniens, Italiens und Frankreichs im Münchner Abkommen Hitlers Forderung zu, die mehrheitlich von Deutschen besiedelten Gebiete im Norden des Landes ins Deutsche Reich einzugliedern. Tschechoslowakische Vertreter waren dabei nicht gefragt worden. Trotz des Abkommens besetzte Deutschland 1939 die Tschechoslowakei, Prag wurde Hauptstadt des „Protektorats Böhmen und Mähren“. 1945 besetzte die Sowjetarmee das Land, 1948 kam die Kommunistische Partei an die Macht.

Der Prager Frühling, der 1968 einen „Sozialismus mit menschlichem Gesicht“ anstrebte, wurde von fünf Staaten des Warschauer Paktes gewaltsam beendet. Nach der Wende 1989 konnte der Dichter und Regimekritiker Vaclav Havel (1936-2011) als erster frei demokratisch gewählter Präsident sein Amt antreten. 1993 teilte sich die Tschechoslowakei in die unabhängigen Staaten Tschechische Republik und Slowakische Republik. Tschechien ist seit 1999 Mitglied der NATO und seit 2004 der EU, gehört aber nicht zur Eurozone.

Prag bietet eine Fülle an Sehenswürdigkeiten

Die vielen Sehenswürdigkeiten machen die Wahl auch bei einer Flusskreuzfahrt in Prag schwer. Zu den wichtigsten gehört zweifelsfrei die Karlsbrücke, die nach dem Vorbild der Regensburger Donaubrücke erbaute zweitälteste Steinbrücke Europas. Bis weit in die Nacht hinein strömen Touristen aus aller Welt über diese 520 Meter lange Brücke, deren Grundstein 1357 Kaiser Karl IV. gelegt hatte. Sie führt auf 16 Bögen über die Moldau und bildet zusammen mit der Burg die berühmte Kulisse von Prag. 30 künstlerisch bedeutende Statuen und Statuengruppen, zumeist von Anfang des 18. Jahrhunderts, flankieren die Brücke. Eine Statue zeigt den Heiligen Nepomuk, der hier in den Fluss geworfen worden sein soll. An beiden Seiten erheben sich Brückentürme, besonders berühmt der gotische Altstädter Brückenturm, den Kaiser Karl sowohl als Teil Befestigungsanlage der Stadt als auch als repräsentativen Triumphbogen erbauen ließ.

Als Nationales Kulturdenkmal und Symbol der mehr als tausendjährigen Entwicklung Tschechiens erhebt sich auf dem Hradschin links der Moldau die mächtige Burg über das Tal, eine der größten Burganlagen der Welt. Im 9. Jahrhundert gegründet und seitdem ununterbrochen ausgebaut und verändert, bildet sie einen monumentalen Komplex aus Kirchen, Kapellen, drei Schlosshöfen, Museen sowie weiteren öffentlichen und privaten Gebäuden, die nahezu alle Baustile Europas widerspiegeln. Hier residierten alle Fürsten und Könige von Böhmen; seit 1918 ist die Burg Sitz des Präsidenten.

Rund um die Burganlage erstrecken sich prächtige Parks und Gärten. Berühmtestes Wahrzeichen der Burg ist der 1344 erbaute St.-Veits-Dom, bei dem sich Bauherr Karl IV. von den monumentalen französischen Kathedralen inspirieren ließ. Jahrhunderte lang wurde am Dom gebaut, der im Kern gotisch ist, aber auch Renaissance- und Barockteile hat und erst 1929 endgültig fertiggestellt wurde. Das Mosaik über dem Goldenen Tor stellt das Jüngste Gericht dar. Eindrucksvoll das lichterfüllte Innere der 124 Meter langen und 34 Meter hohen Kathedrale.

Einzigartige Prunkbauten schmücken das Stadtbild Prags

In der ungewöhnlich prachtvoll ausgeschmückten, mit vergoldetem Stuck ausgekleideten St.-Wenzels-Kapelle werden die Kronjuwelen und Reliquien bedeutender Heiliger aufbewahrt, beispielsweise des tschechischen Nationalheiligen Wenzel und des sogenannten Brückenheiligen Johannes von Nepomuk. In der Krypta fanden die böhmischen Könige sowie Kaiser Karl IV. und Rudolf II. ihre letzte Ruhestätte.

Vom 99 Meter hohen Hauptturm des Doms genießt man den wohl eindrucksvollsten Blick auf Prag, die „Stadt der hundert Türme“. Innerhalb des Burgareals entzückt ein besonderes Kleinod, das Goldene Gässchen. Es hat seinen Namen von den Goldmachern, den Alchimisten, die hier Edelmetall und einen künstlichen Stein der Weisen erzeugen wollten. Im Haus Nr. 22 lebte zeitweilig der berühmte Schriftsteller Franz Kafka (1866-1924).

Rechts der Moldau geht es durch das Altstädter Tor zur Altstadt hinauf. Schönster Platz der Stadt ist der 9.000 Quadratmeter große Altstädter Ring, auf dem sich die Besucher drängen und die Einheimischen in den Cafés und Restaurants treffen. Im Zentrum erhebt sich das Denkmal von Jan Hus, das zu seinem 500. Todestag 1915 enthüllt wurde.

Besonders schön sind die verzierten Fassaden der Häuser, die den Platz umgeben. Hier fügen sich auch die gotische Teynkirche, die barocke St.-Niklas-Kirche sowie das elegante Rokoko-Palais Golz-Kinsky in den Stilmix aus vielen Jahrhunderten. Zu den bedeutendsten gotischen Profanbauten des Landes gehört das Haus „zur Steinernen Glocke“. Das gotische Rathaus schließt den Altstädter Ring jenseits der Teynkirche ab. Die Außenfassade mit ihren Erkern, Türmchen und markanten Spitzbogenfenstern ist besonders sehenswert.

Genießen Sie die historische Altstadt Prags

Einen Höhepunkt im Wortsinn bietet der Blick von der Aussichtsgalerie des Turms über den Platz und die gesamte Altstadt. Am mächtigen Turm prangt seit dem 15. Jahrhundert eine Astronomische Uhr mit Sonnen- und Mondzeiger sowie den Tierkreiszeichen. Zu jeder vollen Stunde erscheinen dort die zwölf Apostel.

Zwei völlig unterschiedliche Bauwerke stehen sich am östlichen Rand der Altstadt gegenüber. Einmal der im 15. Jahrhundert an der Stelle eines Stadttores errichtete gotische Pulverturm in der Bauweise des Altstädter Brückenturms. Zum anderen das Repräsentationshaus, das 1906 bis 1912 erbaut wurde und mit seinem ungewöhnlich reichhaltigen Formen- und Farbenschmuck als schönstes Jugendstilgebäude der Stadt gilt. Südöstlich der Altstadt schließt sich die ab dem 14. Jahrhundert entstandene Neustadt mit dem über 750 Meter langen Wenzelsplatz an, eigentlich eher ein breiter Boulevard als ein Platz. Sein heutiges Aussehen erhielt er vor allem durch die zwischen 1890 und 1930 entstandenen Bürgerpaläste in prächtigem Neobarockund Jugendstil.

Auf dem Wenzelsplatz fanden die großen politischen Massendemonstrationen der Vergangenheit statt, beispielsweise 1968 die Proteste gegen die sowjetische Vorherrschaft, die von Panzern der Warschauer-Pakt-Staaten erstickt wurden. Und zur Wendezeit 1989 forderten hier Vaclav Havel und Alexander Dubček die politische Umgestaltung des Landes. Der Platz wurde nach dem Nationalheiligen Wenzel benannt, dem böhmischen Fürsten aus dem Beginn des 10. Jahrhunderts. Sein Denkmal hoch zu Ross schmückt das obere Platzende am Nationalmuseum. Außerdem befinden sich am Wenzelsplatz die Denkmäler der vier Schutzheiligen Ludmilla, Prokop, Agnes und Adalbert. Bis spät in die Nacht frequentieren die Besucher der Stadt die Restaurants, Bars, Cafés, Hotels und Geschäfte.

Nahe der Legionsbrücke wird die Moldaufront vom Nationaltheater dominiert, eines der bedeutendsten Bauwerke der Prager Neustadt. Es wurde 1883 erbaut und hat für die Tschechen eine besondere Bedeutung als Symbol der nationalen Wiedergeburt. Denn hier wurden trotz der noch immer herrschenden Habsburger von Anfang an tschechische Sprache, Musik und Kultur gepflegt. Inzwischen stehen auch internationale Stücke auf dem Spielplan. Das Nationaltheater ist heute ein Drei-Sparten-Haus mit Schauspiel, Oper und Ballet.