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Unterwegs durch das malerische Elbtal

Potsdam – ein preußisches Gesamtkunstwerk

Bevor es auf die Elbe geht, beginnt diese Flusskreuzfahrt zunächst auf der Havel. Sie entspringt im Bereich der Mecklenburgischen Kleinseen, ist selbst mal See und mal Fluss und führt durch eine kaum berührte Landschaft, die weithin – weil nur wenig bewirtschaftet – noch so aussieht wie nach der letzten großen Eiszeit vor rund 10.000 Jahren. Mit Findlingen, Talrinnen und kleinen, verzaubernden Gewässern.

Die Havelstadt Potsdam ist das Erbe der Preußenkönige. Als beliebte Sommerresidenz wurde sie überzogen mit einem Kranz von Schlössern und Gärten, heute Weltkulturerbe. Mit dem Stadtschloss (im Krieg zerstört, wird zur Zeit wiederaufgebaut), dem Neuen Palais und Sans Souci, auch als „Versailles des Nordens“ bekannt, setzten die preußischen Regenten Zeichen ihrer höfischen Pracht. Rund um die königlichen Bauten entstanden Wohnquartiere mit barocken Bürgerhäusern – das zog Philosophen, Schriftsteller und Musiker an. Im Mittelpunkt liegt natürlich Park und Schloss Sans Souci, entworfen von Friedrich dem Großen selbst um 1740, nach dessen Skizzen ausgeführt vom Hofarchitekten Knobelsdorff. Ein Meisterwerk des friderizianischen Rokoko, mit reichhaltigem plastischen Schmuck an den Fassaden, einem Ehrenhof im Stil der französischen Klassik und einer halbrunden Säulenkolonnade.

Das Schloss steht auf einem künstlich angelegten Hügel, der mit Terrassen zum Weinberg umgestaltet wurde. Der dazugehörige Park umfasst 290 Hektar. Potsdam hat in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung erlebt, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell und im wissenschaftlichen Bereich. Es ist das besondere Flair dieser Stadt mit nur 150.000 Einwohnern, das die Menschen anlockt: Das spätklassizistische Schloss Charlottenhof, ein Schinkel-Bau; acht Gebäude im italienischen Landhausstil; die Friedenskirche mit ihrer beeindruckenden Säulenbasilika; der Neue Garten am Heiligen See mit Schloss Cecilienhof. Optisch beherrschend sind aber die Gewässer in und um Potsdam, das Revier der Flussfahrtschiffe.

Magdeburg – die Kaiserstadt

Das Schiff nimmt Fahrt auf eine Stadt, die derzeit ihre Historie ausgräbt und sich neu entdeckt. Mit Baggern und Schaufeln Pilging es nach 1990 in die Tiefe – in die Mitte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die Wurzeln der deutschen Nation stecken zwei Meter tief im Boden unter Magdeburg. Dort stand der Thron des ersten deutschen Kaisers, Otto I. Der „neue Moses“, das „Haupt der Welt“, jubelten die Höflinge euphorisch. Der ostfränkische König war zum Kaiser erhoben worden, nachdem er 955 die gefürchteten Magyaren besiegt hatte. Die ungarischen Reiter waren damals Europas Schrecken. Bis dahin hatten die Könige nur Pfalzen, schlugen hier und da im Land ihren Sitz zeitweise auf, um zu regieren und Recht zu sprechen.

Der Kaiser brauchte eine Residenz, brauchte Prunk, einen Hofstaat. Magdeburg war geeignet, im Schnittpunkt von Handelsstraßen und auch gut auf dem Wasserweg zu erreichen. Papst Johannes XIII. verkündete im 10. Jahrhundert in Rom, Magdeburg sei das neue Konstantinopel. Der Dreisatz Otto – Magdeburg – Europa geriet in Vergessenheit. Doch nach der Rückeroberung der Stadtgeschichte ist Magdeburg wieder da, nicht nur als Hauptstadt von Sachsen- Anhalt. Es scheint, als sei Otto, der große Herrscher, der im Chor des Domes in seinem Grab liegt, wieder aktiv. Unter dem Dom, der ersten gotischen Kathedrale auf deutschem Boden – drei Schiffe, Kapellen, Kreuzgang – wurden zwei weitere Kirchen gefunden. Sie sind mehr als 1.000 Jahre alt, waren für damalige Verhältnisse riesig und hatten zusammen vier Türme.

Magdeburg wurde zweimal dem Erdboden gleichgemacht: 1631 im Dreißigjährigen Krieg und 1945 im Bombenhagel einer Januarnacht. Trotzdem gibt es Häuserzeilen mit einem Hauch von Spitzweg-Idylle, dazu prächtige Gründerzeithäuser entlang der Hegelstraße, die einst im Stil Pariser Avenuen angelegt wurde. Die Altstadt besteht nur noch zum Teil, überragt von imposanten Kirchen und mit viel Grün dort, wo sich früher eng bebaute Gassen schlängelten. Einheimische schicken Besucher zum Hasselbachplatz, weil dort die schönsten Gebäudeensemble in frischen Farben leuchten mit Restaurants und Boutiquen, einige Höfe sind mit Glasdächern überzogen und zu schicken Passagen ausgebaut.

Lutherstadt Wittenberg – Stadt der Reformation

Er ist klein und schmal, trägt einen schwarzen Gelehrtenrock, die Haare unters Barett geschoben. Wie einem Gemälde von Lucas Cranach entstiegen, mit durchgeistigtem Gesicht, die Hände vorm Bauch gefaltet. Ganz klar, er verkörpert Philipp Melanchthon, den klugen Gehilfen des Reformators. Was aber sagen die Leute?

„Guck mal, der Luther!“ Wittenberg preist die protestantischen Reformatoren nicht nur in Kirchen und Museen, sondern lässt auch Kopien über Straßen und Plätze wandeln. Die geistliche Revolution, die im 16. Jahrhundert zum gesellschaftlichen Umbruch in deutschen Landen und zur Neuordnung Europas führte, ist das Kapital von Wittenberg, das ganz offiziell den Beinamen „Lutherstadt“ führt. Luther war es, der mit dem Tintenfass den Teufel traktiert, den Papst wüst beschimpft, sich mit anderen gezankt und mit einer entflohenen Nonne verehelicht hat. Das bietet Stoff für die Fantasie. Seine Frau, Katharina von Bora, Seele seines Hauses, Wirtschafterin eines beachtlichen Hofes, Mutter seiner Kinder und Gastgeberin vieler Besucher – sie war nur „die Lutherin“. Viele, wie auch Melanchthon, stehen im Schatten des berühmten Mannes, obwohl sie in ihrer Zeit selber Berühmtheiten waren.

Die Universitätsstadt war ein geistiges und kulturelles Zentrum in Europa, das gelehrte Köpfe aus vieler Herren Länder anzog. Die Altstadt ist klein, aber fein. Collegienstraße, Mittelstraße, Schlossstraße, der Markt mit Denkmalen der großen Geister. Diese Tradition will man hochhalten. Selbst aus Amerika kommen Tausende ins „Rom der Protestanten“. Alle sind begeistert vom geschlossenen Stadtensemble, von Stadt- und Schlosskirche, Luther- und Melanchthonhaus, Rathaus und Kapelle zum Heiligen Leichnam. Die „historische Meile“ versammelt alle wichtigen Stätten der Reformation auf relativ engem Raum. Vor dem Bronzetor der Schlosskirche legt sich Andacht wie eine Wolke über die Pilger. Dabei ist die Thesentür beim Beschuss der Stadt 1760 verbrannt, und es steht nicht einmal fest, ob der mutige Mönch am 31. Oktober 1517 seine provozierenden Forderungen gegen den Ablasshandel und die Macht des Klerus an diese Tür angeschlagen hat.

Meißen – die Wiege Sachsens

Schon beim Anlegen des Schiffes ist klar: Meißen ist ein malerisches Kleinod mit viel Charme. Die Residenzstadt der Wettiner, die seit 968 – nach der Vertreibung der Slawen durch die christianisierten Franken und Thüringer – Bistum ist und als Wiege Sachsens gilt, zeigt sich beim Flanieren so richtig gemütlich. Von der Innenstadtbrücke ist Meißens Panorama am eindrucksvollsten.

Die Elbe strömt durch eine breite Auenlandschaft, in der friedlich Pferde grasen und Fahrradfahrer auf Bänken ausruhen. Darüber erhebt sich der Burgberg mit spätgotischer Albrechtsburg und himmelstürmendem Dom, mit der milchweiß geschlämmten Fassade des Burglehnhauses und der Afrakirche mit ihrem barocken Turmhäubchen. Galerieartig ziehen sich die Häuser die Hänge hinauf. Vom Burgberg dann erfasst der Besucherblick perfektes Kleinstadtflair: Satteldächer und Dachreiher, Paraden frisch aufgetünchter Altstadthäuser, heimelige Plätze, gewundene Gassen. In der Altstadt rund um den Marktplatz ist die Welt des letzten Jahrtausends nahezu perfekt konserviert – und saniert.

Die altehrwürdige Porzellanmanufaktur, für Sachsen so wertvoll wie ein Augapfel, prunkt mit barocker Pracht und verspielten Rokoko-Figuren, mit den Variationen des über 250 Jahre alten Zwiebelmusters, den Vasen von Boettger, den Figuren von Kaendler, dem ornamentalen Schwanenservice des Grafen Brühl und dem Wellenspiel der Jugendstilepoche. Es gibt nicht nur etwas zu sehen, bei Mal- und Kreativseminaren kann man auch mit Pinsel und Farbe das edle Material nach dem Vorbild alter Meister dekorieren.

Dresden – die augusteische Metropole

Die Elbmetropole ist einer der Höhepunkte dieser Flusskreuzfahrt. Dresden gehört zu den schönsten Städten Deutschlands, allein wegen ihrer Lage an der sich im Stadtgebiet elegant in eine Kurve legenden Elbe. Und es zehrt immer noch vom Erbe des großen Stadtförderers und Tribuns, von August dem Starken (1670-1733). Der führte die sächsische Hofkultur zu ihrer grandiosen Blüte, das war im 17. Jahrhundert, als der kurfürstliche Hof zu Dresden neben die großen Höfe Europas gestellt wurde. August hatte das so lange betrieben, bis er sein ehrgeiziges Ziel erreicht hatte – einer der großen Fürsten des Kontinents zu werden.

Wer sich in einem der Restaurants der Elbmetropole ein mehrstündiges Gänge-Menü im Stil Augusts leistet, begreift, womit der Kurfürst, der auch König von Polen war, seine Besucher zu betören verstand. In Sachsen wusste man immer schon, dass in Chemnitz gearbeitet, in Leipzig gehandelt und in Dresden geprasst und gefeiert wird. Die einstige Residenzstadt trumpft auch heute noch auf mit Oper und Ballett der Spitzenklasse sowie mit Feuerwerk und Festen in den Elbauen. Mit alldem hat August angefangen, er war ein Glücksfall für die Geschichte dieser Stadt und der ganze Freistaat Sachsen sonnt sich im Glanz des Kurfürsten, den man am Dresdner Elbufer ein goldblitzendes Standbild errichtet hat.

Königstein – die Festung am Fluss

Südlich von Dresden, wo die Elbe munter mäandert, passiert das Schiff den sich am rechten Ufer bis in 316 Meter Höhe aufragenden Königstein. Auf dem Berg wurde eine gewaltige Festung errichtet, um von hier das Elbtal zu kontrollieren und zu beherrschen. Etwa um 1200 soll der Bau der Festung begonnen haben, 1241 erwähnt eine Chronik eine böhmische Königsburg. 1459 kam die Stadt zur Mark Meißen und wurde bis ins 19. Jahrhundert systematisch ausgebaut. Die Festung ist in der Geschichte kein einziges Mal erobert worden. Der Dresdner Hof nutzte sie eine Zeitlang als Zufluchtsstätte, in den Katakomben wurden die Staatsschätze eingelagert. Später baute man die Burg zu einem gefürchteten Gefängnis um. Heute ist der gesamte Burgbereich Museum und die Festung Königstein thront noch immer hoch über der Elbe und beeindruckt mit ihren enormen Ausmaßen die Gäste der vorbeiziehenden Flussschiffe.

Bad Schandau – Herz der Sächsischen Schweiz

Der Grenzort Bad Schandau ist für Flussreisende ein beliebter Ausgangspunkt für wunderbare Ausflüge. Denn die Umgebung der größten Kur- und Ferienstadt in der Sächsischen Schweiz ist bekannt für ihre bizarren Felsformationen, für Wasserfälle sowie Wander- und Klettergebiete. Drei Kilometer elbaufwärts beginnt bereits das Schrammstein-Massiv, die markanteste Ausprägung des Mittelgebirges. Besonders lohnenswert ist ein Ausflug zur Bastei, einer besonderen Felsformation mit der bekannten Felsenbrücke. Von der Aussichtsplattform genießt der Besucher einen unvergesslichen Panoramablick auf das romantische Elbtal mit den aufragenden Tafelbergen. Am Marktplatz von Bad Schandau steht der einstige Brauhof mit seinem schönen Renaissanceportal, aber auch die spätgotische Kirche St. Johannis mit einem kostbaren Altar von 1572, der eigentlich für die Dresdner Kreuzkirche vorgesehen war.

Prag, die „Goldene Stadt“

Flussliebhaber können an Bord von MS KATHARINA VON BORA und MS FREDERIC CHOPIN sogar noch die Reise auf der Moldau fortsetzen mit Ziel im schönen Prag. Die „Goldene Stadt“ begeistert mit ihrer Fülle an Sehenswertem: himmelstrebende Kirchen mit mächtigen Portalen; stolze Hausfassaden; einer faszinierenden Giebel- und Türmchenwelt; dem Hradschin, einer der größten Burganlagen der Welt; dem Veitsdom; dem historischen Gebäude des Museums Kampa auf der Insel an der Karlsbrücke – ein intaktes steinernes Gedächtnis, unter Obhut der UNESCO. Die Metropole umgibt sich mit einem zauberhaften Flair, das nahtlos an die Idylle von Elbe und Moldau anknüpft. Geschichtsträchtige Städte und sanfte Landschaften umspielen in einer natürlichen Harmonie die Flussläufe – so ist es ein Leichtes das Gefühl der Maler und Dichter nachzuempfinden, die von dieser Romantik schon immer angezogen wurden.